Datum : 20.01.2018
Uhrzeit: : 14:03 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Satyricon - Volcano
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Homepage : www.satyricon.no
 

Satyricon - Volcano
  »Trackliste
1. Angstridden
2. Fuel For Hatred
3. Lord of Nightmares
4. Suffering The Tyrants
5. Possessed
6. Repined Bastard Nation
7. Mental Mercury
8. Black Lava

Release: 2002
WERTUNG
6 /6 Sternen
Stil: Black Metal
Laufzeit: 41.54 min
Format: CD Audio
Label: Virgin

 

Das obere Drittel der Black Metal Szene hat ein Problem: Das Wegsterben der Führungselite. Nach der Auflösung von Emperor und dem Aufbruch von Mayhem mit "A Grand Declaration of War" zu recht fernen Ufern steht die BlackMetal-Gemeinde buchstäblich ohne Speerspitze da. Auf der gegenüberliegenden Seite der zeitlichen Skala stehen einige junge Bands, die sich unterteilen lassen in jene, die (zumindest aus der Sicht der Szene) sich verkauft und zu viele Genre-fremde Elemente in die Musik gebracht haben (Cradle of Filth, Dimmu Borgir) und diejenigen, welche noch nicht lange genug existieren bzw. zu unerfahren sind, um wirkliche Impulse zu geben (Naglfar, Khold, Zyklon).
Übrig bleiben eine handvoll Bands aus der zweiten Generation von nordischen Schwarzwurzlern, die die heute bedeutenden Bands des Genres stellen: Dark Funeral, Marduk, Limbonic Art, Satyricon, Immortal, Thorns und eventuell Borknagar. Diese und ihre Anhänger werden es wohl nun unter sich ausmachen müssen, ob die Position die Emperor jahrelang innehatten, überhaupt noch besetzt werden muss, und falls ja, von wem.
Gesucht wird schizoiderweise letztendlich eine Band, die einerseits "true" (was immer das auch sein mag) genug ist, und den nötigen Rückhalt zu geniesst und auf der anderen Seite genügend progressive Ambitionen hat um den BlackMetal ins neue Millennium zu führen, die Musik weiterzuentwickeln und auf das nächsthöhere Level zu heben.
Wer wäre wohl besser geeignet für diesen Job als Satyricon ?
Nachdem die Band mit "Nemesis Divina" 1996 einen Jetzt-schon-Klassiker veröffentlich hatte, ging sie 3 Jahre später einen deutlichen Schritt vorwärts: Das geniale, vertrackt-komplexe "Rebel Extravaganza" spaltete die Fangemeinde und liess die Musikkritiker (grösstenteils) in Jubelstürme ausbrechen. Volcano ist der 8 Songs beinhaltende Seitwärtsschritt, der diese evaluatorische Differenz bezüglich Satyricons Qualität wieder aufheben könnte. Was nach dem brutalen Einstieg zunächst auffällt ist das simple und doch extrem vielseitige Drumming von Frost, das nicht mehr nur hauptsächlich aus Highspeed-Attacken besteht, sondern einfache Rockpercussion und BlackMetal Drums vereint und sich perfekt einfügt zwischen die vielseitigen, schneidenen Riffs seines Bandkollegen Satyr.
Die Produktion ist gut - um nicht zu sagen erstklassig - woran das neue Label Sony Music und seine finanzielle Kraft einen nicht geringen Anteil tragen dürften. Viele Leute schrien natürlich die alte Mär vom Ausverkauf ins Land nachdem der Major-Deal bekannt wurde, was selbstverständlich Blödsinn ist: Satyricon klingen wie immer - unberechenbar und musikalisch hochwertig.Volcano ist (beinahe) fehlerlos: Es ist natürlich Geschmackssache, ob man den punkig-metallischen, mit einem sehr simplen und trotzdem genialen Riff angetriebenen Song "Fuel for Hatred", zu dem die Band sogar ein Video gedreht hat, mag oder nicht, über den Rest aber lässt sich kaum streiten: BlackMetal auf höchstem Niveau. Die Musik fliesst wie die schwarze Lava, die dem 15minütigen, epischen Schlusstrack "Black Lava" seinen Namen gibt aus den Boxen. Es dominieren die Midtempo-Tracks, auch wenn man mit "Possessed" einen richtig klasse Old-School-Track im Programm hat."Repined Bastard Nation", ein weiteres Highlight, vereint ein Gitarrenmelodiethema mit sich im Song entwickelnden und verändernden komplexen Riffs und Satyrs wiederum fast punkigem Gesang, der aber niemals Zweifel lässt, dass es sich hier um einen Black Metal-Song handelt. Auf Volcano gehen Satyricon mit einer homogenen Vielseitigkeit, mit modernder Traditionalität, mit brutaler Komplexität zu Werke, sie wandern fast ständig auf dem Schmalen Grat zwischen 2 Richtungen. Das macht die Platte keineswegs zum Zerissenen Werk, sondern vielmehr zum in sich geschlossenen Verbindungsstück, quasi zu einem Brückentier zwischen der Band die Frost und Satyr auf Nemesis Divina waren und dem, was die Zukunft des Black Metal bringen mag.
Positiv kommt hinzu, dass Satyricon fast keine genre-fremden Elemente brauchen, um eine moderne und dynamisches Album zu schreiben, und wenn sie selbige doch einsetzen (wie im Falle der Gesangsparts von Anja Garbarek auf 3 Songs), so funktionieren diese deswegen richtig gut, weil sie nicht um sich selbst Willen benutzt werden, sondern weil sie den Song aufwerten.Es wäre zu einfach zu sagen, dass Satyricon mit Volcano wiederum bewiesen haben wie vielseitig sie sind, und erneut eine gute Platte abgeliefert haben, denn das hier ist mehr: Es ist die Verbindung von klassischer Black Metal Attitüde mit moderner, harter Musik , komplex-schnellen Gitarrenriffs, von denen viele Bands träumen würden und einer erstklassigen Produktion. Das hier ist zweiffelos wegweisend.


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