Datum : 24.04.2018
Uhrzeit: : 03:06 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Corvus Corax - Cantus Buranus
» Corvus Corax - Cantus Buranus
Homepage : www.corvuscorax.de
 

Corvus Corax - Cantus Buranus
  »Trackliste
1.Fortuna
2.Florent Omnes
3.Dulcissima
4.Lingua Mendax
5.Rustica Puella
6.Nummus
7.Curritur
8.Sol Solo
9.Venus
10.O Langueo
11.Ergo Bibamus


Release: 08.08.2005
WERTUNG
5.5 /6 Sternen
Stil: Folk Metal
Laufzeit: 55.51 min
Format: CD Audio
Label: Roadrunner

 

Na da hat sich der gemeine Rabe aber wieder etwas geleistet. Corvus Corax dürfen im deutsprachigen Raum gerne als die wahren Könige des Spielmannvolkes verstanden werden. Da liegt es doch so gut wie auf der Hand, dass sich die bekanntesten Dudelsackschwinger der Republik auch einmal an der bekanntesten Handschrift des Spätmittelalters, der Carmina Burana, versuchen.
Die „beurischen Lieder“, verfasst im 12. und 13. Jahrhundert, enthalten im Original fast 250 Texte und Lieder, wobei es sich um schlichte Trinklieder aber auch ganze Dramen von epischer bis göttlicher Tragweite handelt. Die Schriften wurden Anfang des 19. Jahrhunderts vom Benedektinermönch Johann Christoph von Aretin im Kloster von Benediktbeuren wieder entdeckt und vom Verleger Johann Andreas Schmeller 1847 veröffentlicht.
Weltweite Berühmtheit erlangte das Werk 1937 als der Komponist Carl Orff insgesamt 24 Texte der Carmina Burana unter selbigen Titel als klassische Komposition uraufführte. Die Musik unterscheidet sich jedoch grundlegend von jedweder mittelalterlicher Spielweise, da diese zu diesem Zeitpunkt noch nicht rekonstruiert worden war.

Gerade im aufkommenden Mittelalterhype der 1990’er Jahre, versuchten sich einige weitere Truppen an der Vertonung einzelner Stücke der Carmina Burana, mit teilweise beachtlichen Erfolg. Doch erst im Jahre 68 nach Orff widmen Corvus Corax ein ganzes Werk, dieser heute wichtigsten, mittelalterlichen Handschrift. Zwar war ursprünglich geplant das neue Album unter dem Titel Carmina Burana zu veröffentlichen, um Verwechselungen mit Orff jedoch auszuschließen entschied sich die Band kurz entschlossen für „Cantus Buranus“.

Im Gegensatz zu bereits angesprochenen Kollegen Orff beschränken sich CC lediglich auf die weltlichen Lieder der CB. Die ausgewählten Trinklieder und alte Spielmannsweisen wurden in Zusammenarbeit mit einem mächtigen Chor sowie einem geschulten klassischen Ensemble eingespielt. Weiterhin geben sich zahlreiche Gastmusiker die Ehre, darunter unter anderem Sven Friedrich von ZERAPHINE. Auf einzelne, nennen wir es mal „Songs“, einzugehen käme einer Gotteslästerung gleich. Wer Cantus Buranus erleben will, sollte es sich als ein großes Ganzes vorstellen, indem die mittelalterlichen Instrumente, wie Dudelsäcke, Pauken, Leiern und Hörner in perfekte Synchronisation mit den recht modernen Elementen eines klassischen Orchesters treten. Stellenweise wird der Hörer mit sage und schreibe 400 Tonspuren förmlich überschwemmt ohne jedoch das Gefühl zu haben in einem Wirrwarr aus Tönen zu stecken. Die Chöre passen sich spielerisch in das Klangvolumen des Orchesters und der Spielleute ein und erzeugen so eine Atmosphäre wie sie in dieser Form noch niemals auf eine CD gepresst wurde. Musikalisch dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Neben jeder Menge Hymnen die mit mächtigen Chören und Streichern ausgestattet sind, finden sich lupenreine Dudelsacksoli ebenso wie sattes Paukenspiel.
Fazit: Cantus Buranus ist klasse. Soviel darf einmal gesagt werden. Was die Jungs da erschaffen haben wird wirklich über einige Jahre hinweg die Messlatte im epischen Mittelaltergenre darstellen und wird so leicht nicht zu übertreffen sein. Ein großes Problem bereitet mir die Logik. Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei den Texten um Trink- und Spielmannslieder, die eigentlich eine recht fröhliche Atmosphäre vermitteln sollten. Dies steht im krassen Widerspruch, zu den teilweise traurigen und gar spießigen Arrangements. Ein oder zwei Titel die zum Tanzen und Lachen einladen, würden den altdeutschen und lateinischen Texten wesentlich besser entsprechen.
Musikliebhaber sollten sich auf jeden Fall die DVD Version zulegen, auf der sich das gesamte Album im grandiosen 5.1 Mix präsentiert. Selten hat Surround Sound mehr Spaß gemacht.
PS: Das Original der Carmina Burana befindet sich in der bayrischen Staatsbibliothek.
PPS: Mittlerweile steht „Cantus Buranus“ auf dem 15. Platz der deutschen Media Control Charts.



Ruhrmetal.com