Datum : 23.01.2018
Uhrzeit: : 13:01 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Brocken Moon - Mondfinsternis
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Brocken Moon - Mondfinsternis
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1. Die Einsamkeit meiner Seele
2. Schattenwelt
3. Das Tränenmeer
4. Mein Herz voller Hass
5. Vollmond
6. Klagelied des letzten Wolfes
7. Astralwanderung

Release: 2005
WERTUNG
3.5 /6 Sternen
Stil: Black Metal
Laufzeit: 53.59 min
Format: CD Audio
Label: Christhunt Productions Kommentar / Userwertung eintragen

 

Mal wieder etwas von Christhunt. Kritiker rupfen sich in dem Moment die Haare aus und fragen sich: „Gott, verdammt, ist der ganze BM-Underground von rechten Spinnern kontrolliert?!”. Ich denke, allein mit diesem einen Satz jetzt habe ich alle Sympathien, die sich durch positive Reviews zwischen Christhunt Productions und Ruhrmetal gebildet haben vernichtend aus der Welt gelöscht. Pressefreiheit ist ein Grundrecht in unserer deutschen DEMOKRATIE (ja, ich habe bewusst mit gedrückter Shift-Taste geschrieben). Aber nun mal Klartext: Nein, Christhunt sollten nicht nur mit NSBM assoziiert werden. Schließlich ist nicht jede Veröffentlichung politisch und so ist es auch gut. Das Label hat sich schlichtweg damit geprägt, was sie am stärksten vertreten. Aber leider gleitet es hin und wieder stark bei den Leuten ab. Als ich die neue „Lunikoff” unter neuen Produkten im Versandteil der Seite fand, war ich verärgert. Verständlich, mag sich der Eine sagen. Anderer wiederum behauptet: „Wieso?! Die ist doch nichtmal auf dem Index!” Klar, trotzdem ändert sich nichts daran, was der Typ mit seinen verharmlosten Texten sagen will. Aber ...
... ich gleite ab und komme zu Erfreulicherem: Brocken Moons „Mondfinsternis” ist eine nette Sache. Kurz gesagt eine recht entspannende CD, die man sich gerne an Wintertagen und depressiven Abenden antun kann.

Das Album startet mit „Die Einsamkeit meiner Seele”, was einen anfangs enttäuscht. Wieder eine Pseudo-intellektuelle Black Metal Band, die ideologisch eher in die Sparte Gothic passt als Metal? Nein! Zwar mögen Titel wie solche am Anfang abschrecken, doch das Tonmaterial zeugt von großen Einflüssen anderer (relativ) melancholischer und depressiver Bands aus dem Bereich. Ein monotoner, doch atmosphärischer Riff zieht sich durch den Song, wie ein roter Leitfaden, was durchaus nicht schlecht ist. Doch dann verkrampft sich der Magen. Uh, nee, der Clear-Gesang, der aus zusammengepackten Spuren des Sängers besteht, um einen Choreffekt zu erschaffen, der leise die Melodie mitsummt, ist eine nette Idee, auch wenn nichts Neues, doch an der Ausführung fehlt es. Es klingt nicht direkt schlecht, doch hinterlässt es einen leichten, bitteren Nachgeschmack. Umso überraschter bin ich dann, als die kreischende Stimme, die verdammt nach dem Herrn Grim von „Aaskereia” klingt (so sehr, dass ich am Anfang dachte, dass er es wirklich sei), an meinem Trommelfell nachhallt. Exzellent passt genau diese in die Stimmung des Songs und vermittelt klagende Klänge, trauernd, ohne aufgesetzt zu wirken und unterstreicht dabei tatkräftig die totale Depression, mit der sich die Band auseinandersetzt. Während sich das Leitriff durch den Song zieht und die Drums langsam und gemächlich nachschlendern, fühlt man sich an irgendwas erinnert. So was hat man doch schon mal gehört ... ahh Nargaroth! Es finden sich Parallelen in den Harmonien von Brocken Moon und Nargaroth, was vielleicht ein bisschen uneigenständig klingt, aber zusammen mit dem Aaskereia-Gesang irgendwie eine neue Idee bildet und somit nett einen Herbstabend versüßen kann. Bestechen kann das Album auch mit zahlreichen akustischen Passagen, die mit Hall unterlegt sind und mit den sonst BM-lastigen Songs perfekt zusammenfließen. Ein bisschen störend ist, dass diese Parts recht lang ausfallen. Wenn sich die Melodie 5 Minuten lang wiederholt, macht sie das auch nicht besser. Doch vielleicht soll das Stimmung erschaffen, was etwas falsch rüberkommen mag. Die fließenden und geladenen Übergänge von akustisch zu verzerrt, sind gut gelungen und vermitteln einen Kraftstoß, der einen, nachdem man beim Hören der Gitarrenmelodie in seinen Stuhl zurückgesunken ist, wieder ins Leben reißt. Selten, doch gut eingesetzt hört man leise Keys an manchen Stellen, welche den Sound fülliger machen und ihn kräftigen.
Doch das Album kann auch knüppeln, so wie „Schattenwelt” (wieder so ein pseudo-intellektueller Titel), was ein recht schneller Song ist, der aber einfach zu sehr seinem Vorgänger „Die Einsamkeit meiner Seele” erinnert. Hin und wieder vernimmt man leichte Fehler und Unstimmigkeiten, was den Gitarrenrhythmus und dem der Drums angeht. Ein wenig störend wirkt es und zeigt, dass das Album nicht für Massenvertrieb produziert wurde. Das kann man sehen wie man will, mich persönlich stört es nicht.
Natürlich darf auf einer Depri-BM Platte kein Regen fehlen! Dieser zeigt sich in „Tränenmeer” (muss ich mehr sagen?!), was ein netter Anspieltipp ist, wenn man Fan solcher Musik ist. Das akustische, sehr melancholische Intro des Songs wird untermalt von der auf einmal sehr gut klingenden Stimme des Sängers, der clear die klagende Melodie mit dem ebenso klagenden Gesang begleitet. Ein wirklich guter Song, atmosphärisch gelungen und mit seltenen Keyboardsounds und einem schwungvollen Rhythmus, welcher hasserfüllt und depressiv jeden Menschen, der Melancholie als Kuscheldecke in einer kalten Welt aus Wut sieht, einhüllt und in die Mondfinsternis von Brocken Moon zieht. Leider fällt genau dieser gelungene Song recht kurz aus, was dazu die darauffolgende Kritik über das nun kommende verstärkt. Der Song „Mein Herz voller Hass” (...) scheint eine ältere Aufnahme zu sein, in der die Band zu recht unprofessionellen Mitteln greift, um ihre Gedanken in Form von Musik preiszugeben. Der Song ist der monotonste auf dem Album und der Sound ist einfach ... seltsam ... Das Keyboard ist sehr laut, das Schlagzeug mit Hall unterlegt und der Gesang völlig der Unverständlichkeit verfallen. Hinzu kommen häufige Fehler, was das Drumming angeht. Daran sollte gearbeitet werden. Die Idee ist toll, aber an der Ausführung hapert es.
„Vollmond” scheint nun auch wieder eine völlig andere Aufnahme zu sein. Der Sound wirkt sehr elektronisch, das Keyboard ist mal wieder sehr im Vordergrund, doch alle Instrumente wurden auf dasselbe Niveau nachgeholt. Und genau durch diese Tatsache, zerstört der Track die nette Atmosphäre und schafft im Gegensatz dazu den Drang, den Song zu überspringen. Womit man dann auf „Klagelied des letzten Wolfes” trifft, was mir dann völlig vor den Kopf stößt. Der Song klingt fürchterlich. Soundlich, wie auch melodisch ist das einfach unangenehm anzuhören. Die Gitarre klingt zu „unverzerrt” und die Drums, als würde man direkt neben dem Schlagzeuger stehen. Dafür können aber die diversen akustischen Passagen den Song aufbessern, die von billigen, aber noch ertragbaren elektronischen Streichern (wir sind ja Burzums „Daudi Baldrs” gewohnt) untermalt werden.

Fazit: Schwer zu bewerten. Rein objektiv, ist nur die Hälfte des Albums sein Geld wert, der Rest versinkt in ödem Sound und unangenehmen Strukturen. Außerdem hakt es einfach an der Ausführung der wirklich netten Ideen der Band. Üben Jungs, ihr habt was drauf! Besonders hervorheben sollte man die Parallelen zu Nargaroth. Fans von Kanwulfs Musik sollten sich Brocken Moon durchaus mal anhören, um sich selbst ein Bild zu schaffen. Doch genau wie ein Pluspunkt ist das auch ein Abzug: Vielen kommt genau das sehr uninnovativ vor. Eine Nargaroth-Kopie ist Brocken Moon nun nicht, doch die Einflüsse sind deutlich zu erkennen.
Abschließend bleibt zu sagen: Halbgutes Album, halbe Punktzahl und ein Bonuspunkt für die wirklich melancholische Atmosphäre, die geschaffen wird.


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