Datum : 23.01.2018
Uhrzeit: : 13:10 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Sentenced - The Funeral Album
» Sentenced - The Funeral Album
Homepage : www.sentenced.org
 

Sentenced - The Funeral Album
  »Trackliste
1. May Today Become The Day
2. Ever-Frost
3. We Are But Falling Leaves
4. Her Last 5 Minutes
5. Where Waters Fall Frozen
6. Despair-Ridden Hearts
7. Vengeance Is Mine
8. A Long Way To Nowhere
9. Consider Us Dead
10. Lower The Flags
11. Drain Me
12. Karu
13. End Of The Road

Release: 2005
WERTUNG
5.5 /6 Sternen
Stil: Dark Metal
Laufzeit: 49.53 min
Format: CD Audio
Label: Century Media Kommentar / Userwertung eintragen

 

Nee, Sentenced, die sind doch voll schwuchtelig!” – solche und ähnliche Kommentare bekam man von Manchem auf den Sommerfestivals dieses Jahres zu hören, wenn man sich als Fan der melancholischen Finnen outete. Irgendwie kann ich derartige Reaktionen nicht so ganz nachvollziehen, da sich SENTENCED auch nach ihrer Abkehr vom Death Metal hin zu melodischeren Gefilden als Musiker konsequent weiterentwickelten und nun in diesem Jahr mit „The Funeral Album” und einigen groß angelegten Abschiedsshows ihre Karriere auf dem Höhepunkt mehr als würdig beendeten. Besonders Vergleiche mit Bands wie THE 69 EYES oder gar HIM sind überhaupt nicht zutreffend, da SENTENCED musikalisch doch eine ganze Spur härter sind und außerdem ihre Texte, die sich in der Regel alle um Themen wie unerfüllte Liebe, Depression und Suizid drehen, immer mit einer gehörigen Portion Selbstironie gewürzt sind. Düstere Bands, die sich selbst nicht ganz ernst nehmen, tun gut und wirken vielleicht dadurch, wie im Falle SENTENCED, noch authentischer.

Das Album beginnt mit dem treibenden „May Today Become The Day” ungewöhnlich heavy. Dieser Track klingt für SENTENCED–Verhältnisse schon euphorisch und hat genau wie das nachfolgende, wieder etwas düstere „Ever-Frost”, Ohrwurm-Qualitäten. Fans sollten bereits nach diesen beiden Songs ein dickes Grinsen im Gesicht haben, denn SENTENCED klingen auf ihrem Beerdigungsalbum stärker denn je und bereits an den ersten beiden Songs erkennt man, dass es ihnen gelungen ist, sämtliche Stärken der Vorgänger–Alben auf „The Funeral Album” zu vereinen. Mit „We Are But Falling Leaves” und „Her Last 5 Minutes” folgen zwei etwas ruhigere, melancholischere Stücke, die ebenfalls als sehr gelungen und atmosphärisch bezeichnet werden können und auch nach mehrmaligem Hören nicht nervig werden, wie es beispielsweise bei einem Großteil der Stücke auf dem schwachen „Crimson”-Album der Fall war war. Mit „Where Waters Fall Frozen” begibt sich die Band doch tatsächlich, man höre und staune, auf einen Ausflug in ihre anfängliche Death Metal-Zeit. Schade, dass aus dem einminütigen Instrumental nicht mehr geworden ist und man nicht noch Gesang hinzugefügt hat, aber auch so fügt sich das kurze Zwischenspiel wunderbar in das Gesamtbild des Albums ein und macht den Hörgenuss umso interessanter. „Despair- Ridden Hearts” ist wieder ein wunderbar rockiger Depri–Song, bei dem besonders das Mundharmonika–Intro dem Song einen unverwechselbaren Charme verleiht. Eine musikalische Abrechnung mit sämtlichen Gegnern der Band erfolgt durch „Vengeance Is Mine”. Besonders witzig ist hier, um mal wieder auf das Thema Ironie zurückzukommen, der Einsatz eines Kinderchores, der perfekt eingesetzt wird. Wieder sehr gelungen. „A Long Way To Nowhere” ist leider etwas einfallslos geraten, was auch meinen einzigen Kritikpunkt an der Band generell darstellt. Ideenmangel könnte vielleicht einer der Gründe gewesen sein, warum die Band aufgehört hat. Irgendwann ist schließlich doch alles über Depression gesagt und die musikalischen Darstellungsmöglichkeiten der Bands dieses Genres sind auf Dauer zugegebenermaßen limitiert. Aber was nutzt es, darüber zu lamentieren, ich möchte mich lieber „Consider Us Dead” zuwenden, was wiederum sehr gelungen und selbstironisch ist. Mit „Lower The Flags” und dem rockgigeren „Drain Me” folgen zwei weitere gute Songs, bevor nach dem schönen Instrumental „Karu” „The End Of The Road” erreicht ist, bei dem auch wieder kurz der Kinderchor zum Einsatz kommt und welches das Album mehr als würdig beschließt.


Fazit: Ein verdammt starker Abgang von einer der vielschichtigsten und interessantesten Bands des Metal–Genres, mögen die Kritiker sagen was sie wollen. Wer die Abschiedshows auf den Festivals dieses Jahres verpasst hat, muss sich nun mit „The Funeral Album” trösten. Wer die Band noch nicht kennt, sollte auch ruhig mal in das exzellente „The Cold White Light”–Album reinhören, oder sich gar mal an die Death Metal Klassiker heranwagen. Reunion–Show, sagen wir 2008 auf dem Wacken? Wer weiß, man darf ja träumen, solange sie sich dabei nicht wie etliche ihrer Kollegen ihr eigenes Denkmal zerstören…



Ruhrmetal.com