Datum : 20.01.2018
Uhrzeit: : 10:05 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Dornenreich - Hexenwind
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Homepage : www.dornenreich.com
 

Dornenreich - Hexenwind
  »Trackliste
1. Von der Quelle
2. Der Hexe flammend' Blick
3. Der Hexe nächtlich' Ritt
4. Aus längst Verhalltem Lied
5. Zu Träumen wecke sich, wer kann

Release: 2005
WERTUNG
0 /6 Sternen
Stil: Dark Metal
Laufzeit: 42.57 min
Format: CD Audio
Label: Prophecy Productions

 

Das Duo „Dornenreich” hat eine lange Geschichte hinter sich und eine interessante musikalische Entwicklung dazu. Während die erste Veröffentlichung „Nicht um zu sterben” 1997 noch nach klarem, melodischen Black Metal klang, so ist das neuste Werk „Hexenwind” ein kompletter Gegensatz dazu. An einem haben die Beiden dennoch nach wie vor festgehalten: Die mitreißenden, mystischen Texte sind und bleiben zentrales Thema in den Alben Dornenreichs. Wie man das anzusehen hat, kann ich in meiner Rezension nicht bestimmen. Geschmackssache. Ihr kennt es ja.

Das Intro, welches in seinem Klang leise und langsam daher angetrottet kommt, mit weichen Streichern und der flüsternden Stimme, die einen das ganze Album begleitet, trägt den irgendwie passenden Namen „Von der Quelle”. Dieses Singen, leise und tonlos, ist das wohl wichtigste Element im nun anstehenden Hören des Albums. Entspannend und doch fesselnd bestimmt es Rhythmus der Musik, Sinn und Atmosphäre dessen, was die nächsten 45 Minuten auf einen einwirkt. Die Stimme hebend erwartet man am Ende des Songs, dass der nächste sofort mit Gesang begleitet einsetzt, was aber überraschenderweise nicht zutrifft. Stattdessen stößt man auf völlig neue Töne Dornenreichs. Ein langsames, entspanntes Schlagzeug ebnet den Weg für die irgendwie seltsam klingende Gitarre. Die Rhythmik verdeutlichend und untermauernd schallt er leise verzerrt in einer ungewöhnlich unharmonischen Melodie aus den Boxen und lässt einen erstmal eine Gänsehaut bekommen. Kalt und mystisch lockt die Musik, begleitet vom clearen Gesang, manchmal flüsternd, manchmal herzzerreißend klagend, welcher hin und wieder vom typischen Dornenreich-Kreischen unterbrochen wird. Das alles schafft erstmal einen geisterhaften Nebelschleier, der sich dann einem harmonisch, melodiösen, sanft mit Keyboardstreichern ausgeschmückten Riff fügen muss. Dieses wirkt fassettenreich und geschickt immer wieder verschönert, durch kleine Details, die einem erst beim genauen Hinhören auffallen. Akustische Gitarren, die warme flüsternde Stimme, all das zieht sich ruhig und chillig über knapp 12 Minuten, was für einen Track recht lang ist, doch für Dornenreich-Verhältnisse nichts neues.
"Der Hexe nächtlich' Ritt", zeigt sich mit ähnlichen Elementen. Etwas flotter als sein Vorgänger, doch noch immer ruhig und entspannt zieht sich der Song langsam vor und wirkt wie ein Spielball des Textes. Deutliche Strukturen sind kaum zu erkennen, doch das ist in der recht modern wirkenden Musik nicht nötig. Schemenhafte Keys machen die Musik und den Sound fülliger, etwas kräftiger und farbenfroher. Geschickt und schön eingesetzte akustische Gitarren tun ihr bestes und der noch immer fesselnde Gesang begleitet einen verträumt durch den ganzen Song. Zu meiner Überraschung vernehme ich gegen Mitte des Songs ein Orgel-Solo (!!), welches irgendwie was von Iron Butterflys Klassiker „In a gadda da vida” hat. Ein kurz darauf aufkommender Akustik-Part zeugt von dem Geschick mit dem die beiden Musiker mit der Gitarre umgehen, was sie ebenfalls schon auf ihrer akustischen Tour beweisen.
Das nächste Stück entpuppt sich als typischer kunstvoller Dornenreich-Track, in dem nur die Klampfe der Produktion von Musik dient. Ruhig mit hallendem Sound entspannt der Song die generell schon sehr losgelöste Atmosphäre und endet im weichen Sample-Windhauch.
Daran Anschließend kommt „Zu Träumen wecke sich, wer kann” ebenso ruhig, doch leicht dramatisch und melancholisch welcher sich langsam, wie zu einem Highlight aufbauend immer komplexer und wuchtiger entwickelt. Während in den ersten Minuten nur die akustische Gitarre und ein Keyboard den Ton angeben, mischt sich bald eine verzerrte E-Gitarre leicht und weich dazwischen und untermalt die Kraft eines Parts, um dann wieder zu verstummen und später in stärker Intensität aufzutauchen. Ein wirklich sehr verträumtes Stück, in dem sich keine direkte Struktur lesen lässt. Aber genau das macht dieses Lied so schön, ergreifend leicht und ruhig, schön und doch hässlich, anmutig und stampfend. Das Wörtchen „schön” drückt es glaube ich einfach am Besten aus.

Fazit: Ein Album welches ein Kunstwerk darstellen soll und weniger in die Sparte „Unterhaltungsmusik” passt, ist nicht bewertbar. Die Einen mögen in der Veröffentlichung pure Langeweile sehen, die von irgendwelchen schwulen Pseudo-Gothics an die Menschen verkauft wird. Im Gegenzug dazu die Fraktion, die darin eine kleine Erfüllung sieht, eine moderne, komplexe Komposition, welche sich Minute um Minute selbst übertrifft. Ich habe versucht in meiner Rezension, welche mal wieder recht lang ausgefallen ist, die Musik so zu beschreiben wie sie ist. Jeder kann sich so vorstellen, was das Album ist und nicht, wie manche es Empfinden. Das Review gibt also (fast) nur Fakten von sich. Und auf diesen kann sich der Leser nun seine eigene Bewertung aufbauen. Rein spieltechnisch ist das, was das Duo da abliefert fassettenreich und sehr gelungen.


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