Datum : 25.04.2018
Uhrzeit: : 00:23 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Graveland - Fire Chariot of Destruction
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Graveland - Fire Chariot of Destruction
  »Trackliste
1. War Wolf
2. River of Tears
3. Fire Chariot of Destruction
4. Flaming Warthful Hate
5. Creator and Destroyer
6. Prayer for my Ahcestors
7. Dance of Axes and Swords
8. Motherland

Release: 2005
WERTUNG
5.5 /6 Sternen
Stil: Pagan Metal
Laufzeit: 50.47 min
Format: CD Audio
Label: No Colours Records

 

Rod Darken meldet sich Ende 2005 mit einem neuen Album wieder. Bombastisch, heroisch und außergewöhnlich schnell für Graveland. Vom „Black Druid” ist man ja seit „Thousand Swords”, langsamere Veröffentlichungen gewohnt, doch hier haut der Herr seit langem mal wieder richtig auf die Kacke. Selbst die sonst so oft gehörten Drumming-Fehler sind völlig ausgemerzt, was viele freuen wird, die diese als störendes Element in der Atmosphäre Gravelands sahen.

Schon der erste Song entpuppt sich als typischer, heroischer und vor Epik nur so triefender Song. Eingeleitet mit Darkens Stöhnen, Schlachtenlärm und dem Geräusch schreiender Nazgul (oder zumindest so ähnlich) stürmt einen der erste Track entgegen. „War Wolf” verleitet glatt dazu, sich in die nächste Schlacht gegen das Christentum zu stürzen, mit erhobenem Schwerte zu sterben, während im Hintergrund ungewöhnlich menschliche Keyboardchöre, schnelle Kriegstrommeln und vor allem das typische Graveland-Riffing die Szenerie untermalt. Die skaldisch anmutenden Gitarrenklänge schrammeln schnell und unglaublich mitreißend den Hörer in vergangene Zeiten, von denen jeder Wochenend-Paganist nur träumen mag. Helle Töne in schnellem Wechsel, kreischend und mit hoher Verzerrung faszinieren und lassen einen einfach nicht mehr los. Als der Song mit den Geräuschen des Anfangs endet, setzt „River of Tears”, ein etwas langsamerer Track ein, der durch geschickten und unglaublichen Einsatz von Chören einen Kampfrausch und kochendes Blut hinterlässt, wenn er seine 7:24 Minuten stolz und erhaben über einen hinwegzieht. Göttlich, allein die Melodien, die sich dieser verrückt gewordene Mittelaltermarktgänger da ausgedacht hat. Unmenschlich, welche Atmosphäre durch jeden einzelnen Song erschaffen wird. Majestätisch, wie trotz rauschender Geschwindigkeit der Namensgeber des Albums als Song an einem vorbeistürmt und mit Melodiewechseln, Dramatik, Hass und Wut wiederspiegelt (man ertappt sich selbst dabei, Lust fürs Brandschatzen zu empfinden). „Flaming Wrathful Hate”: der Titel sagt alles. Der Song dessen Struktur ein bisschen untypisch im ganzen Album daherkommt überzeugt vor allem durch die Monotonie, die hier wie ein Stilmittel des andauernden Hasses gesehen werden soll. Unglaublich, mit welcher Ergriffenheit mich „Creator and Destroyer” fesselt. Ein keyboardlastiger Song, dessen Fanfaren- und Horn-Töne überzeugen und beeindrucken. Der Typ da hinter den Tasten ist ein Meister der Geräuschkulissen. Jedes Riff fesselnder, jede Minute mehr und mehr bindender an diese intensive Veröffentlichung, welche alle kürzlich erschienen Graveland-Alben übertrifft. Ähnlich auch „Prayer for my Ancestors”, dessen Chöre die Melodie bestimmen. Endlich mal wieder eine Pagan Metal Veröffentlichung, die nicht nur öde Streicher-Sounds einsetzt. Innovation erkennt man auch durch den plötzlichen Wechsel im Song in einen schwarzmetallischen Traum, der sich dann wieder mit typischem Gravelandstil vermischt. Überraschung 2: „Dance of Axes and Swords” rollt schnell und rhythmisch, etwas ungebundener auf einen zu. Der Song, der untypisch für Darkens Musik relativ partylastig ausfällt, rummst nochmal jeden Fliesenboden zu Staub und lässt den Putz von den Wänden schlittern, wenn man sein sabberndes Gemüt nicht mehr unter Kontrolle hat und unentwegt die „Volume Up”-Taste auf der Fernbedienung der Anlage durch heftiges Drücken strapaziert. Da lohnt es sich richtig Taub zu werden! Das kann man jetzt eh, da sich das Album dem Ende neigt. „Motherland” ein würdiger, melancholischer Track versinkt zwischen purem Black Metal und Pagan Metal so tief in seinem Element, dass das Wissen schmerzt, dass das jetzt erstmal das Ende ist. Unglaublich intensiv rückt Sekunde um Sekunde das Ende der Veröffentlichung näher, was perfekt in dem Song widergespielt wird, der in seinen schnelleren Parts eine dramatische, fast schon verzweifelte Atmosphäre erschafft, um dann in kompletter Stille zu versinken.

Fazit: Atmosphärisch, fesselnd, ergreifernd, heroisch, intensiv, emotional, göttlich. Außer „Thousand Swords” konnte mich keine Graveland-Veröffentlichung je so faszinieren wie diese. Das Album setzt neue Maßstäbe was epische Musik angeht und ist bis auf die winzige Tatsache, dass Darkens Stimme ein bisschen schwach rüberkommt, perfekt.


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