Datum : 20.01.2018
Uhrzeit: : 14:01 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Halgadom - Sein und Werden
» Halgadom - Sein und Werden
Homepage : www.halgadom.org
 

Halgadom - Sein und Werden
  »Trackliste
1. Hyperborea
2. Wenn Sonnenräder leuchten
3. Gott in Uns
4. Sonnenwende
5. Weg durch die Zeit
6. Das Hügelgrab
7. Runenkraft
8. Sein und Werden
9. Stahl
10. Totenritus

Release: 2005
WERTUNG
6 /6 Sternen
Stil: Pagan Metal
Laufzeit: 47.37 min
Format: CD Audio
Label: Eigenproduktion

 

Frank XXX und Halgadom und die Verbindungen zu Bands eines bestimmten Bereichs sind sicherlich eine Sache für sich. Doch darauf soll in diesem Review auch garnicht eingegangen werden und die Musik soll im Vordergrund stehen. Und die ist auf dieser Halgadom Veröffentlichung besser als je zuvor. War das erste Album lediglich primitiver Black/Pagan Metal und das folgende Album komplett akustisch, wurde nun versucht beide Seiten miteinander in Einklang zu bringen. Und das ist wahrlich gut gelungen.
Sind die ersten 5 Lieder noch komplett akustisch gehalten, sind die letzten 5 Stücke wieder kraftvoller Pagan Metal mit einem Hang zum Rockigen. Demnach soll auf dieses auch der Hauptaugenmerk des Reviews liegen, während die Akustik Songs nur einmal kurz angerissen werden.
Das Album beginnt mit einem komplett akustischen Track ohne jeden Gesang. Sehr positiv fällt auf, dass man hier endlich mal eine Band vorfindet, die nicht vor Keyboard-Kitsch trieft. Natürliche Instrumente werden hier benutzt. Das Lied wird mit einer kleinen Gitarrenpassage eingeleitet, die an einen mittelalterlichen Tanz erinnert. Im Hauptteil des Liedes gerät die Gitarre dann mehr in den Hintergrund und macht Platz für die Geige. Ein schön einstimmendes Stück und das nächste Lied setzt diesen Stil klar fort, nun jedoch auch mit Gesang. Zweistimmiger, klarer Gesang (männlich und weiblich) mit einer Frauenstimme im Vordergrund und dazu eine zweite Akustik-Gitarre die immer wieder kleine Lead-Melodien spielt sorgen dafür, dass dieser Song sehr nett anzuhören ist, ohne in irgendeiner Form langweilig zu werden. Denn auch mit akustischen Instrumenten lassen sich Spannungsbögen erzeugen und eine gewisse Epik vermitteln.
Auch die anderen akustischen Lieder folgen diesem Beispiel und jeder, der ein Freund solcher mit Musik ist, wird hiermit seine helle Freude haben.
Doch was interessiert einen Metaller schon akustische Musik? Verzerrte Gitarre und dröhnende Drums müssen her! Und auch das hat dieses Album zu bieten. Track 6 bildet hier den Auftakt und sofort weht ein gänzlich anderer Wind. Schnelle, zweistimmige Tremolo-Riffs und kreischender Gesang signalisieren, dass man nun im Metal-Teil des Albums angelangt ist. Sehr druckvoll und vorwärtstreibend und weiterhin ohne schnulzige Keyboards kommt die Musik energiegeladen und trotzdem episch daher. Das nach dem Refrain folgende Solo ist für alle Freunde von melodisch-rockigen Soli ein wahrer Hochgenuss und bietet genau den richtigen Mittelweg zwischen Melodie und Vorwärtsdrang. Ein Spitzensong der Lust macht, noch mehr des Albums zu erkunden.
Und so folgt dann auch mit „Runenkraft” das absolute Highlight des Albums. Der Anfang wird durch ein leicht angezerrtes, gezupftes Riff gemacht und dann geht es auch schon los. Drückende Double Bass, dazu verzerrte Gitarren, die konstant 16tel spielen geben dem ganzen eine ordentliche Portion Aggressivität. Besonders der Gesang trägt das Seinige dazu bei. Das erste Wort eines jeden Verses wird jedesmal durch einen zweiten Schrei im Vordergrund hervorgehoben und gibt dem Ganzen das gewisse Etwas. Auch das Gitarren-Solo ist wieder feinste Gitarrenarbeit und lässt sich wunderbar melodisch und harmonisch passend im Hintergrund der letzten Strophe nieder. Gerade das sorgt für Abwechslung während die Rhythmus Gitarre und die Drums weiterhin Druck aufbauen können. Ein Spitzen-Lied und klarer Anspieltipp für all jene, die sich für dieses Album interessieren.
Der nächste Song ist ähnlich gut, wenngleich nicht ganz so druckvoll. Auch hier ist mal wieder das Solo positiv hervorzuheben. Es ist wirklich schön zu beobachten, wie sich die Soli weit weniger durch überragende Virtuosität, sondern vielmehr durch perfektes Anpassen an die Songstruktur hervorheben.
Mit „Stahl” liegt dann wieder ein deutlich knüppeligeres Lied vor, dessen Gitarren immer wieder zweistimmig werden und ein melodisches Tremolo-Riff nach dem anderen hervorzaubern. Doch den meisten Eindruck macht der Halftime gespielte Refrain, der eine kraftvolle und gleichzeitig ruhige Melodie besitzt und zum mitsingen einlädt.
Besonders der Break, dessen einziger lyrischer Inhalt aus mehreren „Stahl!”-Schreien besteht, lässt einen zufrieden grinsen und sorgt für die richtige Portion Druck. Das letzte Lied ist dann leider etwas weniger kraftvoll und wirkt insgesamt düsterer, allerdings auch kraftvoller. Insgesamt kein schlechter Song, besitzt allerdings nicht die Ohrwurmqualitäten der anderen Lieder.
Für all jene, denen ständige Keyboardteppiche im Pagan Metal auf die Nerven gehen und die ein Faible auch für akustische Musik haben ist dieses Album eine ganz klare Kaufempfehlung. Diejenigen, denen akustische Gitarrenmusik nur ein müdes Gähnen entlocken kann, sollten sich überlegen, ob sie sich das Album zulegen sollten. Doch auch die fünf Metal Songs für sich alleine genommen, wissen zu überzeugen.


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