Datum : 20.01.2018
Uhrzeit: : 13:56 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Thiasos Dionysos - Satyr
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Thiasos Dionysos - Satyr
  »Trackliste
1. Siegestanz
2. Thyrsos, the Stick of Mainades
3. Der Ahnenruf
4. Recovering Mjöllnir
5. Satyr
6. Hymiskvida
7. Ein keltischer Morgen
8. Heidrun
9. Widar Comes
10. Der meinen Geistes Welt

Release: 2005
WERTUNG
4.5 /6 Sternen
Stil: Pagan Metal
Laufzeit: 51.29 min
Format: CD Audio
Label: Eigenproduktion

 

Bei Pagan Metal denkt man gemeinhin an die rauen Wikinger, ihre Götter und allerlei mythisches Getier, das in den nordischen Wäldern kreucht und fleucht. Das sich Heidentum jedoch nicht allein auf Germanen und Nordmänner bezieht vergessen viele. So ist es erfreulich zu sehen, dass sich mit dem Kopf hinter Thiasos Dionysos, mit Künstlernamen Satyr, auch mal jemand auf das griechische Pantheon und die dortige Mythologie bezieht. Dies beginnt schon beim Titel, denn Dioninysos ist der griechische Gott des Weines und der fleischlichen Freuden. Auch die einzelnen Songs haben immer wieder Themen der griechischen Mythologie zum Thema. Aber ganz ohne unsere nordischen Götter geht’s wohl nicht und so stand auch die Edda für den einen oder anderen Song Pate.
Aber nun zur Musik selbst:
Für eine Eigenproduktion ist der Sound erfreulich kraftvoll und differenziert ausgefallen. Nichts desto trotz merkt man jedoch, dass insgesamt sicherlich noch Luft nach oben ist, denn das Keyboard klingt stellenweise noch recht künstlich und die Rhythmus-Gitarre matscht fröhlich vor sich hin. Zu loben sind hingegen die schön differenzierte Lead-Gitarre (deren Sound mit seinem höhenbetonten Charakter genau meinen Geschmack trifft) und die nett klingende Tin Whistle.
Der Anfang des ersten Liedes dient gleichzeitig als Intro und wie soll es auch anders sein, besteht aus Keyboard-Chor und etwas ruhiger Flötenmelodie, bevor der eigentliche Song dann mit einem verzerrten Riff, unterstützt von Keyboard-Streichern beginnt. Schnell gesellen sich Drums, Bass und Lead-Gitarre dazu, dann findet auch schon der erste Break statt und man findet sich mitten in der ehern ruhigen Strophe wieder. Gesang, der zwischen tiefen Growls und etwas klarerem, aber weiterhin rauem Gesang wechselt, ist hier der Hauptbestandteil. Die Strophe geht dann in den Refrain über, der einen klaren Humpa-Touch besitzt. Nett. Weiter geht es und es reihen sich immer neue Songteile aneinander, ohne jedoch das gesamte Thema aus den Augen zu verlieren. Es finden sich immer wieder vertraute Melodien und Harmonien, so wirkt alles wie aus einem Guss und trotzdem sehr abwechslungsreich. Songwritingtechnisch wurde hier ganz klar gute Arbeit abgeliefert.
Beim nächsten Song finden wir uns nun in der griechischen Mythologie wieder. Er beginnt ebenfalls wieder ruhig mit Keyboard, Flöte und einem langsamen verzerrten Riff.
Doch nach 1:20 min. plötzlich der Wechsel und es folgt mal wieder ein sehr Humpa mäßig anmutender Part, der aber dann in eine etwas treibendere Strophe übergeht, welcher wiederum ebenfalls in einem Humpa-Part endet, der diesmal sogar mit einer Maultrommel aufwarten kann. Bis jetzt ist das Lied noch ganz fein, doch als man in der Mitte zu einem Double Bass Part gelangt, der hauptsächlich durch seine konstant tiefen Growls auffällt, geht ein wenig die Luft raus und dies liegt sicher auch an dem Unvermögen von Satyr, vernünftig zu growlen. Sorry, aber das, was hier abgeliefert wird, wirkt plump und kraftlos. Es ist zwar anzuerkennen, dass er hier bewusst versucht durch verschiedene Gesangstyles Abwechslung zu schaffen, aber diese Growls wirken einfach wie gewollt und nicht gekonnt. Das ist insofern schade, da der normale Gesang, der sich eher im kreischigen Bereich bewegt, wirklich einwandfrei ist. Doch dieser Wermutstropfen wird schon kurz darauf durch ein wirklich tolles Gitarren Solo ausgeglichen, welches besonders durch seine an klassischer Musik orientierter Melodie auffällt. Und hier erkennt man auch, dass Satyr mit seinem Instrument durchaus umzugehen weiß.
Mit „Der Ahnenruf” folgt nun ein gänzlich anderer Song. Während die ersten beider Lieder musikalisch irgendwo zwischen Equilibrium und COB einzuordnen waren, wirkt der nächste Song deutlich eigenständiger und geht eher in Richtung des thüringer Pagan Metal von Menhir und XIV DC, ohne jedoch insgesamt dessen Virtuosität zu erreichen. Dennoch ein sehr schöner Song, dessen erste Hälfte komplett mit cleanen Gesang (welcher auch sehr ordentlich ist) und Akustik-Gitarre bestritten wird, während der zweite Teil dann wieder in metallische Gefilde zurückkehrt. Auch hier findet sich wieder ein sehr schönes Gitarrensolo. Schade nur, dass noch einmal derselbe Text wie im ersten Teil verwendet wird (nur diesmal mit kreischigerem Gesang).
Nach diesem Song geht es leider sehr ernüchtern weiter. Mit „Recovering Mjölnir” nimmt man als Thema also nun das Thrymlied aus der Edda, ganz ähnlich wie Equilibrium es auch mit „Wingthors Hammer” getan haben. Nur leider erreicht Thiasos Dionysos mit seinem Song zu keinem Zeitpunkt die Klasse des Equi-Liedes. Insgesamt einfach nur langweilig, hauptsächlich die schon zuvor genannten miesen Growls und insgesamt auch deutlich unmelodischer als die anderen Songs. Wahrscheinlich soll das ganze entfernt nach Amon Amarth klingen (was man besonders an der Lead-Gitarre erkennt), dies ist aber leider mehr schlecht als recht gelungen. Einfach langweilig und bedeutungslos und passt in keinster Weise zu den anderen Liedern des Albums und wirkt daher sehr deplaziert.
Allerdings weiß das nächste Lied diese Scharte durchaus auszubessern. „Satyr”, benannt nach dem Album und dem Interpreten dahinter, handelt über eben jene Wesen, die ihre Zeit damit verbringen, sich im Wald zu betrinken, zu feiern und stolz ihren Phallus zu präsentieren (ganz ähnlich wie Metaller also ;-) ). Auffällig an diesem Song ist vor allen Dingen, dass an breiten Keyboardteppichen gespart wird und man dafür im Hintergrund ein Klavier-Appegios spielen lässt. Dazu gesellen sich schöne, verzerrte Staccato-Riffs und der Song macht einfach Spaß (der obligatorische Humpa-Part darf natürlich auch nicht fehlen).
Nach diesem kleinen Ausflug in die griechische Mythologie geht es mit „Hymskvida” wieder zurück zur Edda. Die Eroberung des Kessels von Tyrs Riesen Vater durch Thor ist hier das Thema. Das Lied beginnt fröhlich melodisch mit einer feinen Flöten-Melodie und macht direkt Lust auf mehr. Als Drums und verzerrte Gitarren dazukommen gibt das dem Ganzen noch einmal ordentlich Druck, aber der geht bei der Strophe leider wieder flöten die ein wenig kraftlos wirkt. Doch danach geht es wieder mit der Flöte weiter und das ganze gipfelt wieder in einem Humpa Part der als Refrain fungiert und insgesamt wunderbaren Ohrwurm-Charakter besitzt und schön ausgearbeitet ist. Ein insgesamt eher mäßiger Song, der jedoch aufgrund des tollen Refrains doch noch zu gefallen weiß.
Darauf folgt mit „Ein keltischer Morgen” ein akustisches Zwischenspiel. Die Gitarren-Melodie weiß durchaus zu gefallen und auch die Flöte, die sich nach der Hälfte dazu gesellt, unterstützt das ganze gut, aber bei Wotan, warum muss man ein und dasselbe Riff über 5 Minuten spielen und das dann als Song bezeichnen?
Die Idee dahinter ist gut und auch auf dem Grundgerüst ließe sich aufbauen, aber aus songwritingtechnischer Sicht ist dieses Lied eine Katastrophe. Das interessante ist jedoch, dass es den Hörer trotz dieser Eintönigkeit für sich gewinnen kann und dann irgendwie doch noch gefällt.
Das nächste Stück kann durchaus als fantastisch bezeichnet werden. „Heidrun”, ein Party und Sauflied wie es im Buche steht. Es könnte so schön sein, wäre es nicht zu 99% von „Met” abgekupfert. Vom Songaufbau, dem Humpa Charakter und dem Akkordeon her, alles wirkt wie eine klare Kopie. Nicht unbedingt schlechter als das original aber auch nicht wirklich besser.
Das Highlight des Album folgt im Anschluss mit „Widar comes”. Dieser Song weiß durch seine Flöten-Melodie mit Ohrwurm-Charakter und seinem kraftvollen Refrain mit toller Melodie zu überzeugen. Auch die Strophe zeigt diesmal mehr Druck und lässt die Spannungskurve unaufhörlich ansteigen deren Klimax sich dann im Refrain finden lässt. Nach einem Break endet der Song mal wieder in einem Humpa-Teil, der den Hörer besonders durch seine „Hey!”-Rufe mitzureißen vermag.
Danach folgt noch das Outro, das irgendwie an südamerikanische Indianer erinnert. Komisch.
Insgesamt kann das Album für Fans von Equilibrium und Co. durchaus ein Geheimtipp sein. Denn die Ähnlichkeiten sind nicht zu übersehen und für alle die auf das nächste Equilibrium Album warten können sich mit „Thiasos Dionysos” solange die Zeit vertreiben. Was man Satyr jedoch zugestehen muss ist, dass die Gitarren deutlich mehr im Vordergrund als beim großen Vorbild sind und der Sound so doch noch deutlich metallischer und weniger überladen klingt.
All jene, die Equilibrium schon als Kiddie- und Poser-Musik bezeichnen und Humpa bald nicht mehr hören können, für die ist auch Thiasos Dionysos sicherlich nichts.


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