Datum : 19.04.2018
Uhrzeit: : 15:24 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Blind Guardian - Fly (EP)
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Blind Guardian - Fly (EP)
  »Trackliste
1. Fly
2. Skalds and Shadows
3. In a gadda da vida

Release: 2006
WERTUNG
5.5 /6 Sternen
Stil: Power Metal
Laufzeit: 12.41 min
Format: CD Audio
Label: Nuclear Blast Kommentar / Userwertung eintragen

 

Mann, Mann, Mann, wie doch die Zeit vergeht...
Nun sind seit der Veröffentlichung von „A Night at the Opera“ schon wieder geschlagene vier Jahre ins Land gezogen. BLIND GUARDIAN bleiben sich treu und halten den Rhythmus ihrer Veröffentlichungen konsequent im Abstand von einigen Jahren. Ein Thema das vielen Fans in den letzten Jahren sauer hat aufstoßen lassen, stand doch nach den letzten beiden Alben der Vorwurf im Raum, der BG-Sound wäre mittlerweile (berechtigterweise) völlig überladen. Nicht zuletzt, nachdem Ex-Drummer Thomen Stauch mit seiner neuen Truppe SAVAGE CIRCUS ein hammerhartes Metalbrett in bester „Somewhere far beyond“ oder „Tales from the twilight-word“-Tradition, abgeliefert hat. Zusammen mit dem logischerweise ersten Besetzungswechsel im Hause BLIND GUARDIAN sind die Erwartungshaltungen an die neue Scheibe, respektive die vorliegende Single, extrem hoch angesetzt.

Mittlerweile ist es bei den blinden Gardinen aus Krefeld zur kleinen Tradition geworden, einem neuen Album erst mal eine Single vorauszuschicken. Mit dem etwas gewöhnungsbedürftigen, da sehr langen, „And then there was Silence“ konnte man anno 2001 nicht wirklich punkten, obwohl der Song fast durchgehend im oberen Drittel der Richterskala bewertet wurde. Wagen wir uns also an „Fly“. Ich muss zugeben, dass ich mit mehr als gemischten Gefühlen meinen CD-Player öffnete, als es daran ging, die neue Single das erste Mal zu hören. Den „ANatO“ Sound mit seinen teilweise nervig an Tonspuren überladenen Sound fortgesetzt vorzufinden, hätte mich als BG-Fan wohl vom Glauben abfallen lassen. Den metallischen Göttern sei Dank ist dies nicht geschehen. Der Song startet leicht verspielt und man wartet darauf, dass sich ein Rhythmus doch bitte möglichst schnell einstellen möge. Nach der kurzen, fast im Sprechgesang vorgetragenen, ersten Strophe geht’s in die Vollen. Hohes Tempo, sehr druckvolle Produktion und ein Hansi Kürsch in Bestform lassen die Rübe sofort im Takt wackeln. Dann ein überraschender Break und ein Sound, den sich Hansi unüberhörbar aus seiner Vorliebe für 70er Jahre Rock entliehen hat. Und so geht’s munter im Wechsel weiter, mitsingtaugliche Passagen geben sich mit Abschnitten die Klinke in die Hand, die eindeutig headbanger Potential besitzen. Ein übliches Solo, leicht verzehrt, rundet die Sache ab. Kurzum: Ohrwurmqualität pur.
Mit „Skalds and Shadows“ haben die Jungs eine Ballade am Start, die weniger in Richtung „Harvest of Sorrow“ von „ANatO“ sondern vielmehr (ungelogen) in Richtung des Liveklassikers „The Bard’s Song – In the Forest“ tendiert. Die wunderschön arrangierten, akustischen Gitarren bilden geradezu eine packende Gänsehautatmosphäre. Um den Song zum Livehit zu machen, fehlt ihm jedoch, aufgrund des recht langen Textes, die nötige Eingängigkeit. Als Zusatzschmankerl haben Hansi und Co. Sich an den 68’er IRON BUTTERLFY-Klassiker „In a gadda da vida“ gewagt, was wieder einmal von Hansis bereits angesprochener Liebe zu klassischer Rockmusik zeugt. BLIND GUARDIAN drücken dem Song ihren ganz eigenen Stempel auf. Steht die Originalnummer eher für einen elendlangen Track, den man am besten unter Einfluss bewusstseinserweiternder Substanzen zu Gemüte führen sollte, runden BG die Sache ab und verwandeln „In a gadda da vida“ in einen ordentlich Mid-Tempo-Rocker im typischen Gewand des bandeigenen Sounds. Schade ist lediglich, dass aufgrund der Kürze des Tracks das endgeniale, minutenlange Drumsolo aus dem Original weichen musste.

Fazit:
Mit „Fly“ beweisen BLIND GUARDIAN, dass sie auch ohne Ex-Drummer Thomen zu Einigem fähig sind. Der Sound klingt frisch und macht endlich wieder richtig Spaß, die neuen Songs sind klasse komponiert und arrangiert und die Produktion klingt lange nicht mehr so überladen wie noch in der Vergangenheit.



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