Datum : 18.06.2018
Uhrzeit: : 23:12 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Beyond Fear (feat. Tim „Ripper“ Owens) - Beyond Fear
» Beyond Fear (feat. Tim „Ripper“ Owens) - Beyond Fear
Homepage : www.spv.de/beyondfear/
 

Beyond Fear (feat. Tim „Ripper“ Owens) - Beyond Fear
  »Trackliste
01 Scream machine
02 And... you will die
03 Save me
04 The human race
05 Coming at you
06 Dreams come true
07 Telling lies
08 I don't need this
09 Words of wisdom
10 My last words
11 Your time has come
12 The faith

Release: 2006
WERTUNG
5 /6 Sternen
Stil: Heavy Metal
Laufzeit: 47.12 min
Format: CD Audio
Label: SPV Kommentar / Userwertung eintragen

 

Die Musik an sich und der Heavy Metal im Speziellen hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine ganze Latte voll hervorragender Sangeswunder hervorgebracht. Diese Liste vereint Künstler in sich, die vollkommen überbewertet werden (Dickinson, Ozzy), solche die unverständlicherweise unterbewertet werden (Tarja Turunen, Fabio Lione) und natürlich jene, die uns seit frühester Kindheit mit einem Kracher nach dem anderen unser Leben versüßt haben. In jene Reihe (Halford, Tate, Plant, Dio) darf sich spätestens mit der BEYOND FEAR Veröffentlichung nun auch Tim „The Ripper“ Owens (ex-JUDAS PRIEST, ICED EARTH) endgültig einordnen. Das Tim ein Sänger ist, wie er nicht alle Tage geboren wird, dürfte den meisten mittlerweile genauso klar sein, wie die Tatsache, dass der gute Herr Owens den ach so ehrwürdigen Rob Halford, selbst zu „Painkiller“-Zeiten, an die Wand hätte singen können.

Da man als Sänger im Hause ICED EARTH bekanntermaßen sehr zurücktreten muss, was die eigene Kreativität angeht, liegt es wohl nahe, dass der Ripper uns in Form von BEYOND FEAR endlich mit eigenen Songs verwöhnt. Als reines Soloprojekt sollte diese wahrhaft vollständige Band jedoch nicht angesehen werden. Zwar stammen sämtliche Songs und Arrangements aus Tims Feder und mit Dennis Hayes (SEVEN WITCHES) am Bass, mit dem Tim bereits bei WINTERS BANE musizierte, ist neben dem Meister selbst „nur“ ein einziger weitestgehend bekannter Mitmusiker von der Party, dennoch merkt man der Band und vor allem Leadgitarrist John Comprix wahre Spielfreude an.

Um die selbst betitelte Scheibe einzuspielen machte man gleich Nägel mit Köpfen und enterte die legendären Morrisound Studios wo, unter der Produktion von Jim Morris himself, bereits das letzte ICED EARTH Album entstand. Die musikalische Ausrichtung der Scheibe wird bereits nach wenigen Sekunden des Opener „Scream Machine“ deutlich. Sehr traditionell, sehr druckvoll, keine Spur von neumodischen Stilelementen, das erste Solo gleich nach etwas mehr als einer Minute – just Metal. Die Gedanken wandern sogleich ins Jahr 1990 als die Welt des schnellen Sounds und der hohen Screams noch in Ordnung war. Mit „And...you will die“ und „Save me“ hat die Band zwei Nackenwirbel zerstörende, stampfende Banger am Start, während „The Human Race“ das Gaspedal durch's Bodenblech durchdrückt. Etwas alternativer (böses Wort), besser gesagt „rotziger“, schreitet „Coming at you“ zu Werke. Die unverzichtbare Powerballade ist in Form von „Dreams come true“ natürlich auch vorhanden, kann aber getrost übersehen werden. Für den nächsten Metal Ballads Sampler sollte es dennoch reichen. Das nun folgende Trio „Telling lies“, „I don't need this“ und „Words of Wisdom“ stellt anspruchsvollen, verspielten Heavy Metal in Reinkultur dar. Jedes Solo rockt, jedes Break sitzt an genau der richtigen Stelle, der Ripper schreit sich die Seele aus dem Leib und die Drums treiben den Sound eindrucksvoll weiter nach vorn. Die nächste kleine Painkiller Anspielung gibt’s in dem kurzen Drumintermezzo zu Beginn von „My last Words“ (kleine Abrechnung mit Priest?). Das Album klingt aus, wie es begann, mit dem geilen „Your time has come“ und dem fast schon radiotauglichen „The Faith“.

Böse Zungen mögen dem Ripper vorwerfen, sich all zu sehr am Priest Klassiker „Painkiller“ zu orientieren und zugegebenermaßen sind die Parallelen in Sachen Sound unbestreitbar, dies jedoch als Nachteil auszulegen halte ich für vollkommen überzogen. Owens schafft vielmehr das, was die Herren Downing und Tipton mit „Jugulator“ und „Demolition“ nicht geschafft haben, nämlich einen würdigen Nachfolger dieser Jahrtausendplatte zu produzieren.


Fazit:
BEYOND FEAR fusioniert den guten, alten 80'er Metal mit modernen Produktionstechniken, die zwar wert auf einen klassischen Sound legen, das neue Jahrtausend aber nicht ignorieren. So klingt die Scheibe überraschend frisch und dürfte dennoch so manch müden Old-School-Banger von seiner Sofaexistenz befreien. Da freut man sich auf jeden Fall auf das Rock Hard Festival, um die Band und diese saugeilen Songs endlich livehaftig zu erleben.



Ruhrmetal.com