Datum : 26.04.2018
Uhrzeit: : 21:01 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Sodom - Sodom
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Sodom - Sodom
  »Trackliste
01. Blood On Your Lips
02. Wanted Dead
03. Buried In The Justice Ground
04. City Of God
05. Bibles And Guns
06. Axis Of Evil
07. Lords Of Depravity
08. No Captures
09. Lay Down The Law
10. Nothing To Regret
11. The Enemy Inside


Release: 2006
WERTUNG
5 /6 Sternen
Stil: Thrash Metal
Laufzeit: 42.57 min
Format: CD Audio
Label: SPV Kommentar / Userwertung eintragen

 

So, das ist es also, das langerwartete neue Studioalbum von SODOM, originellerweise (oder auch nicht) schlicht „Sodom“ betitelt. Könnte man auch so deuten, dass die Mannen um den Ripper aus Gelsenkirchen im Jahr 2006 noch einmal eine Art Neuanfang wagen wollen. Auf „Sodom“ zeigt sich die Band nämlich so abwechslungsreich und experimentierfreudig wie nie zuvor. Bereits beim ersten Hördurchgang war mir klar, dass ich mit dieser Rezi so meine Schwierigkeiten haben würde. Für mich ist einfach „Outbreak of Evil“ und vor allem „Persecution Mania“ das Maß der Dinge. Tut mir leid, Leute, aber das ist der Sound, mit dem ich den Namen SODOM verbinde, das sind die Alben, mit denen sich Tom und seine Mitstreiter einen Platz in der Hall-of-Fame des Metal erkämpft haben. Nur kann man natürlich nicht mit einer derart nostalgischen Einstellung an ein nagelneues Album rangehen und deshalb werde ich mich bemühen, keine unsinnigen, unangebrachten Vergleiche zu ziehen. Jedoch sei jedem geraten, vor dem Kauf des Album selbst reinzuhören, denn wo SODOM draufsteht, muss nicht zwangsläufig SODOM drin sein.

Selbst der aufgeschlossenste SODOM-Maniac wird verwundert die Augenbrauen hochziehen, wenn er die Scheibe zum ersten Mal in den CD-Schacht schmeißt, denn „Blood On Your Lips“ wird mit einem irgendwie spanisch klingenden Gitarrenintro eingeleitet. Kann man über diesen Einfall noch schmunzeln, steigt die Verwunderung doch rapide beim einleitenden Riff: Zumindest ich fühle mich dabei an eine Melodic Death Metal Band a la In Flames erinnert. Meine Sorge, dass das nun repräsentativ für den neuen SODOM Sound sein soll, verfliegt allerdings beim Refrain. Hier entfaltet sich die volle Thrash Gewalt, er ist schön aggressiv und so kann man „Blond On Your Lipps“ als einen gelungenen, allerdings etwas zerfahren wirkenden Einstieg sehen. „Wanted Dead“ ist wohl mit der schnellste Song des gesamten Albums, eine fetzige Thrash Granate, die sogar teilweise an alte Zeiten erinnert. Toms Stimme klingt relativ hoch und lässt mich an seinen Kollegen Mille denken. „Wanted Dead“ ist der Stinkefinger in Richtung aller Metalcore-Kiddie-Spasten: So werden wahre Aggressionen musikalisch ausgelebt! Sehr geil! „Buried In The Justice Ground“ wurde vorab auf einigen Promos ausgekoppelt. Hier gefällt vor allem die Gitarrenarbeit von Bernemann und das auf dem Album insgesamt melodischere Riffing, was keinesfalls negativ ins Gewicht fällt, auch wenn in der jüngeren Thrash Geschichte Kreators „Violett Revolution“ für mich immer noch das Maß aller Dinge bleibt. „City Of Gold“ ist ein echtes Highlight des Albums, besonders der Refrain ist absolut genial und ich muss zugeben, dass ich mich trotz meiner anfänglichen Bedenken sehr gut mit dem neuen SODOM Sound anfreunden kann. „Bibles And Guns“ ist sehr hart und aggressiv und mit den neueren Destruction vergleichbar. Der Titel „Axis Of Evil“ ist auf ein Zitat von George W. Bush bezogen. Auch wenn ich persönlich unpolitische Musik bevorzuge, bleibt Thrash Metal wohl das perfekte Ventil der Metal Szene, ein Statement gegen Krieg, Verlogenheit und Korruption abzugeben und über soziale Ungerechtigkeit zu klagen. Ein genialer Lyriker wird Tom wohl nie, aber mal im Ernst, wer verlangt das auch bei diesem Genre? Musikalisch ist „Axis Of Evil“ ein Volltreffer und weiß durch einen schönen, ruhigen Break zu gefallen, wodurch sich der Track abwechslungsreich gestaltet. „Lords Of Depravity“ groovt ordentlich, ist allerdings etwas monoton ausgefallen. Davon kann man bei „No Captures“ wahrlich nicht sprechen. Hier überzeugen SODOM durch Einfallsreichtum und einen längeren, rein instrumentalen Zwischenpart. Mit „Lay Down The Law“ wird wieder eine etwas melodischere Schiene eingeschlagen, der Pre-Chorus erinnert mich allerdings ein wenig an Kreators „Voices Of The Dead“ ansonsten aber Daumen hoch! Auf den Geist gehen mir allerdings (und das nicht nur bei diesem Lied) die Stimmeffekte (Verzerrungen etc.), die meiner Meinung nach absolut unnötig sind. „Nothing To Regret“ fällt qualitativ im Vergleich zum Rest des Albums deutlich ab, mehr als ein Füller, auf den man ruhigen Gewissens hätte verzichten können, ist das hier nicht. Dafür ist „The Enemy Inside“ ein richtig starker Abschluss, hier bewegen sich SODOM auf Augenhöhe mit den anderen Thrash Titanen und man weiß wieder, warum SODOM Mitglied des glorreichen deutschen Thrash Metal Triumvirates sind. Besonders der Refrain ist eine Macht und sollte live wunderbar funktionieren.

Fazit:
1. Ein gutes Metal Album, nicht mehr und nicht weniger!

2. Man muss kein Thrash Metal Maniac sein, um „Sodom“ zu mögen, also reinhören!

3. Ich freue mich auf den Auftritt auf dem Rock Hard Festival und auf die anstehende Tour und auch darauf, den ein oder anderen Track von „Sodom“ präsentiert zu bekommen.



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