Datum : 23.01.2018
Uhrzeit: : 12:57 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Dornenreich - Durch den Traum
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Homepage : www.dornenreich.com
 

Dornenreich - Durch den Traum
  »Trackliste
1. I
2. II
3. III
4. IV
5. V
6. VI
7. VII
8. VIII
9. Ich bin ein Stern (Bonus Track)

Release: 2006
WERTUNG
2.5 /6 Sternen
Stil: Dark Metal
Laufzeit: 54.35 min
Format: CD Audio
Label: Prophecy Productions Kommentar / Userwertung eintragen

 

Boah, was für ein Tag! Kaum gepennt, mit einem Hustenreiz eines 85-jährigen Kettenrauchers aufgewacht, durchnässt seinen jugendlichen Pflichten nachgegangen, sich auf dem Schulklo erstmal so richtig ausgekotzt haben, den ganzen Nachmittag im körperlichen Dämmerzustand über einer Sprache gehangen, die man weder jemals wieder sprechen wird, noch will und zu guter Letzt auch noch eine fiese Lebensmittelvergiftung, die einen den halben Tag über dem Pott hängen lässt. Erstmal ´ne Runde traurige Musik hören und sich selbst bemitleiden, sagt mir die Stimme (also eine von den vielen, versteht sich) in meinem Kopf und greift beinahe automatisch zur neuen Dornenreich, die mir heute reingeflattert kam. Nach kurzer Wartezeit hauen die Rosenheimer .. ehh Dornenreicher in halb-neuer Besetzung einen neuen Longplayer auf den Markt.
Ich, als Verfechter von Dornenreichs Kunst, freue mich jeglicher Art musikalischer und textlicher Ergüsse Evigas, dem Kopf hinter dem Projekt. Selbst das von vielen abgelehnte "Hexenwind" sprach mich an und ist bis heute eine der Platten, die gerne mal nen ganzen Tag in der Anlage rotiert. "Durch den Traum" bewegt sich wie sein Vorgänger im ähnlichen Stil. Auch der Sound und die Produktion sind täuschend ähnlich, so dass man die beiden neusten Werke aneinanderknüpfen könnte. Hier liegt aber auch ein Problem des Silberlings "Durch den Traum". Zwar ist das, was hier geliefert wird immernoch sehr ... hmm "ungewöhnlich", doch leider nicht auf dem Album selbst.
Das Intro, welches schaurig und düster auf einen zu schleicht, lässt vieles erwarten, ebenso wie der erste richtige, simpel betitelte Track. Schön kalt und sphärisch arbeitet man ähnlich wie auf dem Hexenwind mit netten Wechseln aus cleanen Gitarren, Melodie und dissonanten E-Klampfen. Leichte Keyboards unterstützen atmosphärisch das, was wie lauernd auf 2 Pfoten steht. Naja, leider war´s das dann auch schon. Nach dem zweiten Song erwartet einen kaum etwas Besonderes mehr. Es werden düstere Klangwelten erschaffen, die immer weniger Melodie beinhalten und immer mehr auf Monotonie bauen. So verliert man gern den Überblick über das Schaffen der Jungs und vergisst rasch, bei welchem Track man eigentlich schon angelangt ist. Teilweise wirkt es so, als habe man Secrets of the Moon mit Schlafmittel betäubt, da beinahe gleiche Riffstrukturen (nur eben laaaaaaaangsaaaaaaaaaam) die Lieder überziehen.
Zwar hält sich die Atmosphäre von der schaurigen Traum-Mar ganz gut, doch vermischt sich mit dem bitteren Geschmack der Langeweile. Intensität verschwimmt zwischen schon Gehörtem und irgendwie fehlt es an auflockernden, schön melodischen Parts, mit denen die Hexenwind beispielsweise geschickt ausgeschmückt war. Gutes Beispiel für die Kraftlosigkeit von der ich schreibe ist das Stück "V". Hier wird einem der Start so erschwert, dass man sich selbst beim Wunsch weiterzuschalten ertappt. Es steigert sich gegen Ende in eine nette Double-Bass-Knüppelei, die aber abrupt und beinahe enttäuschend abbricht. So zieht es sich weiter .. und weiter ... und weiter .. bis man beim Song "VIII" wieder hörig wird. Melodie! Der geübte Dornenreich-Kenner wird das Intro-Thema des Hexenwind Albums wiedererkennen, welches hier mit Gitarren und Gesang unterlegt wird und eine befreiende Kraft freisetzt, die einen doch ein bisschen lockerer stimmt. Die limitierte Auflage der Platte beinhaltet noch einen durchaus netten Bonus-Track, der sich schön in den Rest des Albums eingliedert und nicht so streng düster wirkt, wie der Rest sondern ernst und kräftiger rüberkommt.

Fazit: Ich bin schon enttäuscht. Ich hatte doch mehr erwartet, nachdem mir "Hexenwind" doch so zugesagt hatte. Drum durchbreche ich hiermit mal die ganzen Lobheißungen, die sich in Reviews mehrer Magazine breitgemacht haben und behaupte einfach mal dreist, das "Durch den Traum" schlecht ausgefallen ist. Eviga und sein neuer Mitstreiter setzen zu sehr auf Minimalismus, was auf dauer schlichtweg langweilig wird. Nach weiterem Nachdenken erkenne ich nun auch, woran mich die Songs teilweise erinnern: Die Riffs könnten von Meister Vikernes stammen. Mag sich seltsam anhören, doch konzentriert man sich, erkennt man Ähnlichkeiten zu den Hvis Lyset Tar Oss und Filosofem Alben. Doch Burzum oder gar Black Metal ist das noch lange nicht!


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