Datum : 18.06.2018
Uhrzeit: : 23:21 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Drudkh - Blood In Our Wells
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Drudkh - Blood In Our Wells
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1. Nav
2. Furrow Of Gods
3. When the Flame Turns to Ashes
4. Solitude
5. Eternity
6. Ukrainian Insurgent Army


Release: 2006
WERTUNG
6 /6 Sternen
Stil: Black Metal
Laufzeit: 50.03 min
Format: CD Audio
Label: Supernal Music Kommentar / Userwertung eintragen

 

Aus dem Untergrund hervor schleicht sich dieses Jahr der neue Release der Mannen um Roman Saenko, einer der aktivsten musikalischen Schmieden der Ukraine im Bereich des Black Metal.
Blood in our Wells... Das Blut in unseren Adern lautet der englische Titel dieser Scheibe, und sie könnte wahrlich zum Elixier in den Adern und Ohren werden, denn was die Mannen von Astrofaes und (ehem.) Hate Forest hier abliefern ist unvergleichbar. Ich habe lange nach etwas vergleichbarem gesucht, doch außer den langsameren, getrageneren Titeln späterer Burzum-Alben, die sicherlich als Orientierung dienten und einigen Liedern der mit den selben Leuten besetzten Band Astrofaes kam mir nichts in den Sinn... So lässt sich gleich vorweg sagen, dass Drudkh wohl eine der Bands ist, die man aus 10000 anderen sofort heraushört. Doch nun zum Album selbst:
Nach einem 2 ½ minütigen Intro mit Namen „Nav“, in dem der Hörer sanft mit slawisch folkloren Klängen in das Album eingeführt wird, folgt „Furrows of Gods“. Gemächlich nimmt es einen mit auf die nun folgende 50 Minuten dauernde Reise durch die klanglichen Wälder, Steppen und Seen der Ukraine. Die Instrumente harmonieren überaus gut miteinander, eines passt zum anderen und ehe man sich verhört, befindet man sich mitten zwischen malerischen akustischen Parts und einem der wohl schönsten Gitarrensounds die es gibt... Die Vocals untermahlen eindrucksvoll die Stimmung, jedoch die Mühe machen sie zu verstehen braucht man nicht, es sei denn man ist Russe oder Ukrainer, denn sie sind zwar nicht mehr ganz so rau wie auf früheren Alben und fügen sich so perfekt in die Klangkulisse ein, doch stammen scheinbar alle Texte von bekannten Ukrainischen Dichtern, sodass die Sprachbarriere einem dort Wohl oder Übel einen Strich durch die Rechnung macht. Schon sind die ersten 9 Min. des Albums wie verflogen und „When the Flame turns to Ashes“ erweckt einen zunächst aus der Trance, in die einen „Furrows of Gods“ unweigerlich versetzt. Dieses Lied ist zugleich das wohl stärkste des Albums, es ist die manifestierte klangliche Umsetzung des Titels... Nach einem zunächst fast schon „rockig“ anmutenden Anfang, der „Flamme“, durchzieht ein längerer Akustikpart das Geschehen und leitet langsam über in das „Erlischen“, welches bereits die dem Titel gerechtwerdende melancholische Schlagseite aufweist, um dann schließlich in die „Asche“ überzugehen... Trotz der sehr traurigen Stimmung dieses Teils, lässt das Lied den Wunsch aufkommen, sich einfach zurückzulehnen und die Augen zu schließen, um der Schönheit der Musik zu lauschen... Die Gitarre geht nicht nur unter die Haut, sondern auch unter die Knochen, und anders als bei dem meisten Suizid-BM braucht es keinen Schrei, nichts dergleichen für diese Atmosphäre. Nach diesen 10 Minuten folgt der längste Track des Albums, „Solitude“... Wieder einmal könnte der Titel kaum passender sein...nach einem schnellen „Beginn“ über die ersten 2 Minuten folgen wieder traumhaft schöner und zugleich trauriger Black Metal. Langsam und getragen kämpft man sich durch dieses Lied, bis nach 12 Min „Eternity“ anfängt, einen mit frischem Mut in die Ewigkeit hinfortzutragen. Das Lied lädt überraschenderweise richtig zum „mitschunkeln“ ein und lässt wahrhaft Freude aufkommen... um sich dann episch zu verabschieden und Platz zu schaffen für die Wirklichkeit: Einer Ode in Form eines Instrumentals an die ukrainische Befreiungsarmee, die sowohl gegen Naziregime, als auch die folgende sowjetische Besatzung Jahrelang für eine unabhängige Ukraine kämpfte, um schließlich ihrer Führung beraubt aufrecht gegen die Sowjets unterzugehen. Die Interpretation des Liedes sollte besser jedem selbst überlassen werden, denn für mich ist es traurig und doch heldenhaft zugleich, ich mag mich dort jedoch nicht festlegen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass den Ukrainern mit diesem Album ein absolutes Meisterwerk gelungen ist, welches sich alle Freunde des langsamen BM generell nicht entgehen lassen dürfen. Die Stimmung, die hier beinahe komplett ohne Keyboard oder sonstigen elektronischen Krimskrams erzeugt wird ist atemberaubend.


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