Datum : 23.01.2018
Uhrzeit: : 13:04 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Gernotshagen - Märe aus wäldernen Hallen
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Homepage : www.gernotshagen.de
 

Gernotshagen - Märe aus wäldernen Hallen
  »Trackliste
1. Aus wäldernen Hallen
2. Der alte Wald
3. Dem Skirnir zu Ehren
4. Widars Klagesturm
5. Dragadhrond
6. In Gedanken schon Walküren nah
7. Schlachtensang der Einherjer
8. Vali
9. Skaid

Release: 2007
WERTUNG
4 /6 Sternen
Stil: Pagan Metal
Laufzeit: 52.00 min
Format: CD Audio
Label: Trollzorn Kommentar / Userwertung eintragen

 

Gernotshagen begegneten mir zum ersten mal auf dem letztjährigen Ragnarök Festival. Die Band sollte recht früh am Freitag spielen und die Hörbeispiele auf der Seite waren vielversprechend. Doch leider steckten wir im Stau fest und so waren wir nicht mehr rechtzeitig da um uns Gernotshagen anzusehen. Seitdem hab´ ich von der Band dann auch nicht mehr viel mitgekriegt, bis mir schließlich die Vorabversion zu ihrer neuen Scheibe "Märe aus wäldernen Hallen" ins Heim geflattert ist.
Schon das Band-Foto macht klar woher der Wind weht: Stilecht in germanischen Gewändern gekleidet und mit Schwert und Schild posierend kann es sich hier nur um waschechten Pagan Metal in thüringischer Tradition handeln.
Schon beim Intro, dass den selben Titel wie das Album trägt, wird auch die Verwandschaft zur Thüringer Pagan Szene klar. Man hat sich hier ganz klar Bands wie Menhir oder Odroerir zum Vorbild genommen. Ein breiter Keyboard Teppich, mit wirklich gut klingenden Akustik Gitarren und eine Gesangsstimme, die vom Volumen doch sehr an Heiko von Menhir erinnert, machen Lust auf mehr.
Ein wenig wird die Lust jedoch gemindert, als dann am Ende des ersten Songs der Schrei-Gesang einsetzt. Dieser passt irgendwie so garnicht zur starken restlichen Produktion (welche Gernotshagen im heimischen Tonstudio aufgenommen haben), wirkt er doch sehr trocken und verkrampft und fügt sich insgesamt nicht wirklich in den restlichen Sound ein.
Nach dem getragen feierlichen Intro geht es mit "Der alte Wald" dann im klassischen Pagan Stil weiter. Der klare Gesang weiß auch hier zu überzeugen, hat Druck, die Töne werden getragen und klingt trotz des offensichtlichen Vorbilds Menhir dennoch sehr eigenständig. Aber auch hier wird der sehr positive Gesamteindruck durch den Schrei-Gesang gedrückt. Fast ein wenig an Eisregen erinnernd, will er einfach nicht richtig passen. Doch die anderen Instrumente liefern zumindest eine tadellose Vorstellung ab. Die Gitarren spielen immer wieder sehr gut passende Leads ein und auch die Drums glänzen durch Abwechslungsreichtum. Lediglich das Keyboard ist an manchen Stellen arg laut abgemischt und schiebt sich zu weit in den Vordergrund. Dies ist aber allerdings nicht bei allen Sounds so. Der Track ist mit 7:18 Minuten recht lang und wird nach der ersten Hälfte dann auch etwas langatmig. Man will nicht so recht auf den Höhepunkt kommen und die immer wieder eingeschobenen langsamen Passagen nehmen dem Stück den Drive.
Das nächste Stück "Dem Skirnir zu Ehren" weiß dann schon wieder mehr zu gefallen. Besonders da in weiten Passagen der zuvor vorherrschende Schrei-Gesang durch Growl-Gesang ersetzt wurde, welcher wiederum perfekt passt und mit einem sehr gut passenden Delay erweitert wurde (oder gedoppelt wurde?) und das ganze sehr breit und mächtig klingen lässt. Das für mich tollste war allerdings das Gitarrensolo das plötzlich in Erscheinung tritt. Eine sehr freudige Überraschung in einem Genre, in dem sich die Gitarrenfraktion gerne mal hinter Keyboard Bombast versteckt. Auch die akustischen Einspielungen bestechen wieder durch ihren guten Klang.
Ähnlich gut geht es dann mit "Widars Klagesturm" weiter. Ein richtig starker Song, doch wird hier die Ähnlichkeit zu Menhir fast schon zu offensichtlich. Nichts desto trotz haben Gernotshagen ihren eigenen Sound und klingen somit nicht wie eine schlechte Kopie. Der klare Gesang weiß hier vollkommen zu überzeugen und obwohl nicht ganz das Stimmenvolumen eines Heiko erreicht wird, klingt er beeindruckend gut. Ganz klarer Anspieltipp!
Weiter geht es mit "Dragadhrond". Insgesamt wird hier eher ein düsterer Sound eingesetzt und die Keys könnten direkt von Cradle of Filth stammen. Auch von der Geschwindigkeit her eher langsam, ist hier die Bezeichnung "Dark Metal" sicher angebracht, welche die Band komischerweise selber noch auf ihrer Homepage benutzt. Gegen Ende bekommt das Lied langsam Schwung und gipfelt dann in einem furiosen Finale, aber trotzdem insgesamt eher einer der schwächeren Songs.
Als nächstes folgt ein Instrumental "Der Ruf des Heimdall". Irgendwie musste ich lachen als ich das gesehen hab, haben doch Equilibrium ebenfalls ein Instrumental auf ihrer Scheibe, welches "Heimdalls Ruf" heißt. Und irgendwie klingt es sogar halbwegs ähnlich, setzt man doch bei beiden nur Keyboard-Klänge ein. Also wirklich, muss das sein? Das kann doch unmöglich niemanden aufgefallen sein. Zumal "Der Ruf des Heimdall" ähnlich bedeutungslos ist, wie das Equilibriumsche Äquivalent. Ein bisschen mehr Einfallsreichtum ist ja wohl zu erwarten.
Mit "Schlachten sang der Einherjer" folgt dann ein Lied, was auch weniger mitreißend ist. Es will nicht so recht ins Ohr gehen, dass gewisse etwas fehlt. Zumindest ein kleiner Piano Interlude sorgt für etwas Auflockerung. Aber mit beinahe 9 Minuten Länge ist das Lied einfach langweilig.
Zum Glück kann man das vom nächsten Song "Vali" nicht behaupten. Hier macht das Zuhören gleich wieder mehr Spaß und die Staccato artigen Streichersounds geben dem Song einen sehr interessanten Touch. Auch hier wird wieder ein sehr schönes Gitarrensolo zum Besten gegeben, leider zu leise abgemischt, so dass es unter dem Double Bass Gewitter leider etwas untergeht.
Den Abschluss des Albums bildet "Skaid". Leider ist auch dieser wieder etwas langatmig und das Mitreißende fehlt, irgendetwas was dem Hörer im Ohr bleibt.
Interessanterweise kann man das Album fast in zwei Teile teilen. Eine Sorte Songs, die sich wie lupenreiner Pagan Metal anhören und deren große Vorbilder Menhir sind und eine andere Hälfte, mit düsteren Klängen und mit wenig Melodien, bei denen man sich fast an alte Riger Sachen erinnert fühlt.

Fazit:
Für DieHard Pagan Metal Fans wird wahrscheinlich eh kein Weg am Album vorbeiführen, ebenso für all jene, die auf den typischen Thüringer Pagan Sound stehen.
All denen, die die jüngste Pagan und Viking Welle mittlerweile auf den Keks geht wird allerdings auch Gernotshagen nicht vom Gegenteil überzeugen.
Typischer Pagan Metal, wenig innovativ, aber genau das, was viele Leute einfach wollen. Mal düster, mal heroisch und episch und durch und durch heidnisch.



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