Datum : 24.04.2018
Uhrzeit: : 18:07 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Moonsorrow - Viides Luku - Hävitetty
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Moonsorrow - Viides Luku - Hävitetty
  »Trackliste
1. Jäästä Syntynyt / Varjojen Virta
2. Tuleen Ajettu Maa

Release: 2007
WERTUNG
5.5 /6 Sternen
Stil: Viking Metal
Laufzeit: 56.19 min
Format: CD Audio
Label: Spinefarm Kommentar / Userwertung eintragen

 

Es ist schon bemerkenswert, dass ein Viking-Metal Album (!) im RockHard Album des Monats geworden ist, wenn man bedenkt, dass die Redaktion diesem Genre nicht sehr wohlgesonnen ist (normalerweise fahren Alben aus der Schiene dort eher Wertungen ein, die der Arschbomben-Kategorie nahe kommen, von den Big-Names vielleicht mal abgesehen) und in der Regel Bands wie Killswitch Engage dort die Pole-Position belegen. Die Erwartungen im Vorfeld waren sehr groß, ließ doch der starke Vorgänger „Verisaekeet“ Großes erwarten, nachdem die Band den Absprung von dem sonst üblichen belanglosen Gedudel der schwermetallischen Wikinger-Verehrer geschafft hatte hin zu komplexen, düster-epischen Kompositionen, die dem musikalischen Erbe Quorthons als würdige Fortführung dessen Werkes schon sehr nahe kam. Derjenige, der die Meinung vertritt, Moonsorrow hätten mit 20-minütigen Songs ihr endgültiges Limit erreicht, wird auf „Hävitetty“ eines besseren belehrt. Das Album enthält nämlich nur 2 (!!) Songs und kommt trotzdem auf eine Spielzeit von knapp 60 Minuten. Wahrscheinlich wären viele andere Bands an einer so anspruchsvollen kompositorischen Aufgabe gescheitert, hätten sich in komplexen, kaum zu durchschauenden Songstrukturen verworren und am Ende entnervt aufgeben. Moonsorrow ist es jedoch gelungen, den musikalischen Spannungsbogen über die komplette Zeit aufrechtzuerhalten und den Hörer auf faszinierende Art und Weise in ihr düsteres Reich zu entführen. Ein Album, das nach Kopfhörern und voller Konzentration verlangt.

Stimmungsvolles Knistern, sphärische Klänge und sanfte Gitarren stimmen zu Beginn ein auf das, was da noch kommen mag. Wer der Musik so konzentriert lauscht, wie oben gefordert, ist von der ersten Minute an bereits gefesselt. Nach ungefähr 3 Minuten setzen die ersten melancholischen Chöre ein, was aber noch zum Intro gehört, der eigentliche Song beginnt erst nach 6 Minuten. Die Stimmung des Stückes ist von Düsterheit geprägt (inhaltlich geht es „Verzweiflung und Visionen vom Ende der Welt“, (Henri Sorvali)). Die Songstruktur ist in der Tat recht komplex, aber trotzdem soweit durchdacht, dass sie auch für Leute, die proggiges Gefrickel ansonsten hassen, noch nochvollziehbar ist. Ich fühle mich beim Durchhören teils etwas zu sehr an „Verisaekeet“ erinnert, was sowohl die Riffs als auch die Rhythmik bestimmter Parts betrifft, was aber kein gravierender Kritikpunkt sein soll. Die Mannen um Henri Sorvali müssen nur aufpassen, dass sie sich mit dem nächsten Album nicht zu einer Kopie ihrer selbst werden. Sehr gut gefallen mir die geschickt eingesetzten Keyboards, die nicht wie bei anderen Bands alles mit Kindermelodien zududeln, sondern die einzigartige Atmosphäre wunderbar mittragen. Nach einer Viertelstunde etwa folgt wieder ein etwas ruhigerer Part, um die Spannung wieder etwas zu lösen, bevor es dann im Finale noch einmal heftiger zugeht. Einen besseren Soundtrack zum Ende der Welt kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, zumindest wenn man ihm im hohen Norden mit einem Horn voll Met entgegenblicken kann. Wie viele Bands bemühen sich doch, den Geist der nordischen Mythologie mit ihrer Musik einzufangen und wie Wenigen gelingt es am Ende. Auch wenn ich selber mit den Göttern überhaupt nichts mehr verbinde, so kann ich zumindest in Momenten, in denen mir solche Musik entgegenschallt, verstehen, was Menschen so sehr daran fasziniert. Es gibt in „Jäästä Syntynyt / Varjojen Virta“ sogar einige tanzbare Zwischenstücke. Aber selbst diese sind von einer beklemmenden Düsternis erfüllt. Hat man sich einmal völlig dem Hörgenuss hingeben, schaut man plötzlich verdutzt auf die Uhr und stellt fest, dass die 30 Minuten des ersten Stückes wie im Flug vergangen sind. Zeit zum Verweilen und um über das eben Gehörte nachzusinnen, bleibt jedoch nicht. Hypnotische Trommelklänge und Gesänge leiten „Tuleen Ajettu Maa” ein. Eingängig ist das nun überhaupt nicht mehr, gab es doch bei „Jäästä Syntynyt / Varjojen Virta“ zumindest einige vereinzelte Parts, die man nach dem ersten Hören direkt im Ohr hatte. Vielleicht macht genau das das Lied für den Hörer erst recht interessant, da dieser nun noch mehr gefordert wird. Moonsorrow haben angekündigt, zumindest einen der beiden Songs von „Hävitetty“ live zu spielen. Wie das nun aussehen soll, entzieht sich zumindest meiner Vorstellung völlig, aber ich bin da gerne bereit, mich eines besseren belehren zu lassen. Allen Interessierten, die nicht wie ich beim Metal Cruise sind, sei geraten, am 14.04 das Turock in Essen aufzusuchen. Man möge mir doch bitte hinterher Bericht erstatten. Ach sagte ich grade, „Tuleen Ajettu Maa” sei nicht eingängig? Nach den ersten 10-12 Minuten wechseln sich hier heroische Chöre und faszinierend hypnotischer Gesang, der stark an Enslaved erinnert, ab. Auch ein Black Metal-lastigen Knüppelpart wird eingeflochten, was die Wurzeln der Band und der gesamten musikalischen Subkultur deutlich macht, aber dessen sollte sich eh jeder Odin-verehrende Metaller bewusst sein. Die letzten 10 Minuten geht es noch einmal richtig heavy zu Sache, zumindest diese letzte Hälfte des Songs sollte live auf jeden Fall gut umsetzbar sein und für mächtig Stimmung sorgen.

Fazit: Ein Album nicht nur für den Standard Viking/Pagan Metaller, sondern für jeden Musikfan, der auf der Suche nach musikalischer Qualität und Authenzität ist verbunden mit einem unvergleichlichen Hörerlebnis. Ein Album, das den Hörer fordert und zum Gesamtverständnis sicherlich mehrere Hördurchgänge benötigt. Ich gebe „nur“ 5,5 Punkte, da ich sicher bin, dass sie mit ihrem nächsten Output noch Größeres erreichen können. Eins steht jetzt schon fest: mit „Hävitetty“ haben Moonsorrow das belanglose Gedudel ihrer Genre Kollegen wie Ensiferum und Finntroll weit hinter sich gelassen und als Musiker einen ganz anderen Qualitätslevel erreicht. Und das verdient Anerkennung.


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