Datum : 21.04.2018
Uhrzeit: : 23:26 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Ikuinen Kaamos - The Forlorn
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Ikuinen Kaamos - The Forlorn
  »Trackliste
1. Frailty
2. Grace
3. Delusion
4. Ascent
5. Fall

Release: 2006
WERTUNG
5.5 /6 Sternen
Stil: Black Metal
Laufzeit: 55.00 min
Format: CD Audio
Label: Descent Productions Kommentar / Userwertung eintragen

 

Als Verfechter von straightem Geknüppel ohne sinnfrei lange Soli und musikalisch-technische Meisterleistungen bin ich einer der vielen, die progressive Musik niemals verstehen oder gar mögen werden. Und das sage ich als Gitarrist, der doch vor Soli-Geilheit bei jedem Dream Theater und Queensryche Song schmelzen müsste! Aber Ausnahmen bestätigen die Regel und so finde ich auch eine Ausnahme in meiner eigentlich recht engstirnigen Ansicht was Musik angeht. Was mich dazu führt, ist die einzigartigste Black Metal Scheibe, auf die ich mein Gehör je gerichtet habe. Progressiver Black/Death Metal aus dem finnischen Häuschen "Ikuinen Kaamos" nämlich.

"The Forlorn" ist das Debut mit dem die Finnen Jarno, Juhani, Henri und Arttu sicherlich noch groß rauskommen werden. Noch dümpeln sie irgendwo bei kleinen Labels herum, doch finden sich jetzt schon ein paar Exemplare ihres Machwerks in den deutschen Plattenläden. Der Grund warum die Jungens wohl noch ´ne große Zukunft haben, liegt einzig und allein an ihrem Können.
"The Forlorn" ist ein Album, welches von der ersten Minute bis hin zur letzten Sekunde ergreifend intensiv Atmosphäre schafft und vor Melancholie und Stärke nur so trieft. Dies wird schon am ersten Song "Frailty" deutlich, welcher zusammen mit Windgeräuschen, realistischen klingenden Keyboardstreichern und einer Klampfe begleitet den ersten Schritt dem Hörer entgegen wagt. Danach setzen sägende, hohe E-Gitarren mit einem wahren Riffgewitter der Emotionen ein. Die Stimmung scheint bei jedem Takt einen neuen Höhepunkt zu erreichen, der dann später wieder übertroffen wird. Der Gröhler Henri setzt zusammen mit einer akustischen Klampfe, die folklore-lastige Akkordläufe spielt, ein und wieder ist ein Höhepunkt erreicht. Bei der Anzahl akustischer Orgasmen, die man hier in die Ohren gedröhnt bekommt, ist "The Forlorn" eine wahre Sexmaschine.
Beim Gesang wird ordentlich und sauber variiert, so dass man merkt, dass Henri was von seinem Geschreie versteht. Er wechselt von Kreischen auf tiefes Growlen und schafft es im Gegensatz zu vielen anderen Musikern des Genres, beide Stile zu vermischen und ordentlich rüberzubringen (als Beispiel dafür, wie man das nicht machen sollte, kann man Kataklysm nennen. Growlen kann das Frontmännchen ja, aber das war´s auch). Auch ist die Stimme mit den anderen Instrumenten sehr gut abgemischt. Die Produktion lässt also auf ein ordentliches Studio schließen, welches da von dem Quartett heimgesucht wurde.
Zwar umfasst der Silberling gerade mal 5 Songs, doch sind diese alle um die 12 Minuten lang und einfach alle verdammt gut, was eine gewisse Toleranz der wenigen Songs entgegen zulässt. Was jedoch nicht zugelassen wird ist, dass man aus dem Bann des Albums gerissen wird. Emotional wird hier der Grenzbereich musikalischer Melancholie bewandert, was sich in jedem einzelnen Lied widerspiegelt. Der zweite Track "Grace" zeigt dies am deutlichsten und beweist dazu auch noch den Ideenreichtum der Band. Eine Vielzahl an Riffs, atmosphärischen Breaks und totalem verzweifelten Geknüppel schleudern die Mannen von Ikuinen Kaamos besonders bei dem Track in die Masse, der auch auf ihrer Myspace-Seite http://www.myspace.com/ikuinenkaamos zu hören ist. Ein reinhören lohnt sich in jedem Fall.
Es werden bei jedem Song neue Elemente hineingebracht, so dass es eine musikalische Meisterleistung für die Jungs wird. Dabei bleibt man jedoch konstant auf einem hohen Tempo, welches nur bei den Breaks verworfen wird, wo dem Hörer Momente der Ruhe gegönnt werden. Doch auch Blastparts kommen nicht zu kurz, so dass man am Ende des Albums durchaus sagen kann, ein breites Spektrum an Musik gehört zu haben. So lässt sich auch nicht sagen, woher die Band ihre Einflüsse hat, wo sie doch so einzigartig klingen. Jedoch habe ich mich hin und wieder an die Briten "Coldplay" erinnert gefühlt, da die Melodieführung der Leadgitarren teilweise recht ähnlich ist. Auch hört man Elemente, die einen ein bisschen an "Secrets of the Moon" erinnern, doch der Vergleich mit den Bands liegt noch immer recht fern. Ikuinen Kaamos ist schlichtweg ein eigenständiges, mächtiges und emotionales Werk, was von Einfallsreichtum, Innovation und vor allem Melancholie strotzt.

Fazit: Welch ein Meisterwerk! Zusammen mit "I"s Debut so ziemlich das Beste, was 2006 rausgekommen ist. Zum Hören von Ikuinen Kaamos empfehle ich eine herbstliche Abenddämmerung, ein gewisses Favorisieren depressiver Musik und ´ne gute Stunde Zeit, um "The Forlorn" in all seinem Facettenreichtum einfangen zu können. Jedem Fan von progressivem Black Metal (auch wenn der Bereich eh recht klein ist) lege ich dieses Bollwerk Verzweiflung ans Herz und jeder Fan von Bands wie "Ulver", "Abyssic Hate" und "Empyrium" sollte sich wenigstens mal die angebotenen Songs auf der Myspace-Seite (http://www.myspace.com/ikuinenkaamos) anhören.


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