Datum : 24.04.2018
Uhrzeit: : 18:12 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Manowar - Gods Of War
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Manowar - Gods Of War
  »Trackliste
01. Overture To The Hymn Of The Immortal Warriors
02. The Ascension
03. King Of Kings
04. Army Of The Dead, Part I
05. Sleipnir
06. Loki God Of Fire
07. Blood Brothers
08. Overture To Odin
09. The Blood Of Odin
10. Sons Of Odin
11. Glory Majesty Unity
12. Gods Of War
13. Army Of The Dead, Part II
14. Odin
15. Hymn Of The Immortal Warriors
16. Die For Metal (Bonus Track)

Release: 2007
WERTUNG
4.5 /6 Sternen
Stil: Heavy Metal
Laufzeit: 79.00 min
Format: CD Audio
Label: Magic Circle/SPV Kommentar / Userwertung eintragen

 

Die Kings of Metal sind zurück und sie haben sich darauf vorbereitet über Bifrost gen Asgard zu ziehen um ihren Platz neben den Asen einzunehmen. 5 Jahre sind nun seit Warriors of the World vergangen, 5 Jahre mit viel blabla seitens Joey, dass das neue Werk ein Tribut an die Götter des Krieges sein wird, an den höchsten Asen Odin selbst, ein Tribut an Wagner, der den Heavy Metal erfunden hat, ein Album das die Fans nach Valhall tragen wird.
Jetzt ist es da und es strotzt wahrlich vor Pathos und Huldigungen an Odin. Das Album in der True-Metal Edition (welch passender Name) hat einen Metall Schuber mit Manowar Prägung als Außenhülle. Darunter verbirgt sich ein kleines Büchlein im CD-Format, mit edlem Ledereinband und silber geprägten Runen verziert, die stolz den Titel „Gods of War“ verkünden. Wenn man nun dieses Büchlein aufklappt, kommt die CD zum Vorschein, daneben ein eingeheftetes Booklet mit dem Album Cover: Vier Krieger mit erhobenen Schwertern, fünf barbusige Damen zu ihren Füßen und drumherum Dämonen und die Midgardschlange. Herrlich, ein Cover das direkt aus den 80ern zu stammen scheint, in denen jedes Metal Cover aus einem Sword&Sorcery Roman entsprungen sein könnte.
Nach soviel überquellender trueness wird das Booklet erst mal aufgeschlagen und man blickt auf lauter Runen, das Booklet ist wirklich komplett im älteren Futhark verfasst, vollkommen korrekt und unglaublich konsequent. Herrlich, davon könnten sich die ganzen Möchtegern Viking- und Paganbands mal eine Scheibe abschneiden. Außerdem findet sich noch eine mehr oder weniger interessante DVD in der Verpackung. Über den Preis kann man da nicht meckern, hier wird einem wirklich viel fürs Geld geboten.
Aber genug zum äußerlichen, kommen wir zu dem was wirklich zählt, nämlich der Musik. Das Album beginnt voll orchestraler Epik mit dem Track „ Overture To The Hymn Of The Immortal Warriors”. Ein minütiges Instrumentalstück als Intro, ohne jeglichen Metaleinfluss, nur mit Orchesterinstrumenten. Ja aber halt, sind es denn wirklich Orchesterinstrumente die hier zum Einsatz kommen? Wohl eher nicht und wenn, kann man sie kaum unter den Synthieflächen und Synthiechören erkennen. Lieber Joey, das Stück ist sicherlich ein sehr passender majestätischer Auftakt zum Album, aber der gute Wagner würde sich im Grabe umdrehen wenn er hören würde, dass hier auf ein echtes Orchester zugunsten digitaler Effekte verzichtet wird. Nachdem man 6 Minuten auf das nun folgende Epos eingestimmt wurde erwartet man zuerst, dass es nun endlich losgeht, aber nein, erst kommt noch „The Ascension“ welches wir schon von der King of Kings Single kennen und bildet ein zweites Intro. Obwohl der Track sicherlich recht atmosphärisch und vor allen Dingen gegen Ende wegen Erics Gesangs ein sehr starkes Intro ist, wirkt es doch fehl am Platz, zwei Intros hintereinander hätten nicht sein müssen.
Dafür geht’s danach endlich mit Metal los, es folgt „King of Kings“, zwar schon länger bekannt aber hier noch mal aufpoliert, mit knallenderen Drums und ein paar neuen Effekten versehen. Der Song rockt einfach und reißt mit, die Tatsache das er vorher schon bekannt war macht ihn nicht schlechter, es ist nur etwas schade. Allerdings sind die Drums, obwohl sie nun deutlich besser abgemischt sind als noch auf der Single, immer noch keine spielerische Meisterleistung und klingen einfach zu statisch. Der eine oder andere Break hätte dem Song und dem Drumming sicherlich gut getan, so wirken die Drums stellenweise einfach zu künstlich und mechanisch. Ein allgemeiner Trend auf diesem Album, das die Drums bis auf einheitliche Rhythmen nichts weiter zu den Songs beitragen. Egal, der Song ist trotzdem Klasse, auch wenn die Gitarren ruhig etwas lauter sein könnten. Über Erics Gesangsleistungen muss man eigentlich kein weiteres Wort verlieren, die sind wie immer brilliant.
Als nächstes folgt „Army of the Dead, Part 1”, ein a capella Zwischenstück das durch Erics guten Gesang und die gelungene Melodieführung überzeugen kann, jedoch etwas durch den übertrieben künstlichen Chor Effekt an Stimmung verliert.
Danach folgt einer der stärksten Tracks auf dem Album, „Sleipnir“. Eingeleitet durch ein paar erläuternde Sätze von Joey (mit verzerrter Erzählerstimme) und mit atmosphärischem Hufgetrappel, Windgeräuschen und Pferdewiehern (erinnert etwas an „Spirit Horse of the Cherokee“) knallt er danach richtig los. Ein wubernder Bass, der Refrain wird gesungen und es geht mit knallender Double Bass los. Auch dieser Song lebt von Erics Gesang, die restliche Instrumentierung ist mehr schmückendes Beiwerk, aber das wird entschädigt durch einen der besten Refrains der jüngeren Manowar Geschichte. Mitsinggerecht, heroisch und trotzdem Heavy Metal. Ja, so hab ich mir das neue Album vorgestellt.
Mit „Loki God of Fire” geht es Klasse weiter. Endlich mal ein Song der etwas Gitarren-dominanter ist. Hier finden sich keine überladenen Synthie Orchester, ehrlicher rockiger Song, der fast an ältere Manowar Songs erinnert. Karls Soli wissen auch zu überzeugen und sein Gitarren Sound hat mit Warriors of the World verglichen deutlich an Qualität gewonnen.
Daraufhin folgt die obligatorische Ballade, diesmal mit „Blood Brothers“ betitelt. Das erste was man denkt ist, boah wie unglaublich kitschig, aber wenn man das Gefühl überwunden hat muss man sagen das es doch ein schöner Song ist, der zwar nicht an Balladen wie „Heart of Steel“ oder „Master of the Wind“ rankommt, aber auch seine Daseinsberechtigung hat.
Und nun tritt endlich Odin auf, mit dem Track „Overture to Odin“. Auch bereits bekannt, war auf der EP noch als Odin betitelt und ich konnte keine Unterschiede feststellen. Mal wieder ein instrumentales Orchester Stück. Kompositorisch sicher keine Meisterleistung und leider auch wieder mit digitalem Sound, aber ein ganz netter Lückenfüller, um Atmosphäre zu erzeugen. Davon wird auch im nächsten Track „The Blood of Odin“ einiges geboten. Hier erzählt uns Herr DeMaio unter Wolfsgeheul und Gewittergeräuschen etwas über Odins Rolle in der nordischen Mythologie. Das ganze sogar weitestgehend korrekt. Schade ist nur, dass für diesen Erzähltrack kein professioneller Erzähler geholt wurde, sondern nur Joeys Stimme etwas verfremdet wurde. Dadurch büßt der Track ganz klar an Atmosphäre ein.
Doch der Übergang zu „The Sons of Odin“ ist sehr gelungen und lässt einen wieder aufschrecken, endlich wieder Gitarren! Und was für ein Song. Obwohl auch schon von der EP bekannt wurde er für das Album nocheinmal gehörig aufgemotzt und ein echter(!) Chor ist auch noch dazu gekommen. Richtig starker Track mit Spitzenrefrain. Am Ende erzählt uns Joey dann noch mal ´ne Geschichte und der Track ist zu Ende. Was am Anfang noch sehr cool wirkt, verbraucht sich mit der Zeit leider etwas, so dass man sich irgendwann dabei ertappt, wie man das Gelaber nur noch überspringt.
Mit Gelaber jedoch geht auch der nächste Titel weiter. „Glory Majesty Unity“ bringt uns zurück in die Kings of Metal Zeiten und ist der zweite des Warrior’s Prayer. Dementsprechend kann hier auch der Erzähler überzeugen, nur der Chor der den Schwur des Erzählers am Ende wiederholt könnte ruhig etwas weniger künstlich aufgeblasen klingen. Aber auch hier ist wieder ein Klasse Übergang zum nächsten Song, dem Titeltrack. Wo er mich auf der EP noch nicht überzeugen konnte macht er im Albumkontext deutlich mehr her. Ein typischer Stampfer gemächlicheren Tempos mit viel Klassik Sound und man bekommt unweigerlich das Bild von Drachenschiffen die auf die Küste zusteuern vor Augen. Ein guter Track, aber für Manowar Verhältnisse auch eher Durchschnitt.
Als Rahmen folgt als nächstes „Army of the Dead, Part 2“, leider bis auf zusätzliche digitale Orchesterinstrumente und eine Orgel identisch mit dem ersten Teil. Im Album Kontext passt das jedoch sehr gut und die sich wiederholenden Motive auf dem Album lassen das ganze wirklich zusammenwachsen. Deshalb macht es auch wenig Sinn nur einzelne Songs zu hören und das Album danach zu beurteilen, es kann wirklich nur als ganzes Wirken und da spielt es seine Atmosphäre Trümpfe aus.
Leider wirken dadurch auch schon viele Songs in den Grundzügen zu bekannt, wie z.B. Odin, an sich ein richtig geiler Track, dessen komplette Melodieführung allerdings schon aus „Overture to Odin“ bekannt ist. Allerdings macht das ganze im Metalgewand deutlich mehr her und weiß wirklich zu überzeugen, wodurch es „Overture to Odin“ zur Bedeutungslosigkeit degradiert. Das Ende des Track bildet dann noch einmal der Gesang aus „Army of the Dead“ und das passt nun wirklich richtig gut.
Durch die etwas düstere Grundstimmung des Songs muss man sich erst mal ein wenig reinhören aber dann weiß er wirklich zu überzeugen.
Pure Epik wird dann noch am Ende des Albums geboten. Bei „Hymn of the Immortal Warriors” hat Joey sich wohl ein wenig von Rhapsody inspirieren lassen. Doch wo es bei Rhapsody immer mal wieder etwas zu kitschig klingt ist der Manowar Song einfach pure Power mit Epik vermischt. Hier findet wirklich die von Joey angekündigte Fusion von Klassik und Metal statt. Wenn doch nur das elende digitale Orchester nicht wär...
Das eigentliche Album wäre jetzt beendet, aber es folgt noch der Bonus Track „Die for Metal“ (Götz Kühnemund gewidmet ). Funktioniert als Bonus-Track gut, hätte auf´s Album ansich gar nicht gepasst. Etwas träger Song, mit geilem Klischee Text, der aber besonders bei Trunkenheit und in der Gruppe als Party Song mächtig Laune macht. Nur das Main Riff klingt etwas arg nach Led Zepplin.

Um zum Fazit zu kommen haben wir hier ein wirklich gutes Konzeptalbum vorliegen. Als ganzes weiß es wirklich zu überzeugen, doch muss man sich erst etwas drauf einlassen. Der Klassik Anteil ist sicherlich nicht jedermanns Sache und klingt stellenweise auch wirklich mehr nach Hollywood Soundtrack als nach echter Klassik.
Die Manowar Kritiker werden genug Sachen zu bemängeln finden (zu wenig echte Songs, zu viele waren schon vorher bekannt...) aber mich persönlich stören eigentlich nur zwei Sachen:
Zum einen das digitale Orchester. Sorry Manowar, aber das hat eine Band in euer Größe sicher nicht nötig, das es anders geht zeigen andere Metal Bands die schon oft genug Platten mit ´nem echten Orchester zusammen eingespielt haben.
Außerdem ist das Drumming einfach zu statisch und auch bei den anderen Instrumenten vermisse ich etwas Spielwitz. Dadurch werden die Songs sicher nicht schlecht, aber man hätte mit einer etwas lebhafteren Produktion noch mehr rausholen können.
Für Manowarhasser ist das Album also schon mal gar nicht geeignet, Gods of War wird sie sicher nicht vom Gegenteil überzeugen. Manowar Fans die nur auf die Sachen bis „Kings of Metal“ stehen sollten erst einmal reinhören, es erinnert stellenweise doch an alte Tage, auch wenn der Spirit irgendwie nicht ganz da ist. Fans, die alles von Manowar mögen, werden auch mit diesem Album überaus zufrieden sein.
Alle anderen müssen einfach wissen, worauf sie sich einlassen: Kein reinrassiges Metal Album, vielmehr ein sehr gutes atmosphärisches Konzeptalbum mit viel Soundtrack-Charakter und Heavy Metal Elementen sowie herausragendem Gesang.

PS:
Nach Teamentscheidung wurde von 5 auf 4,5 Sterne abgewertet.



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