Datum : 20.01.2018
Uhrzeit: : 13:52 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Urfaust - Verräterischer, nichtswürdiger Geist
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Urfaust - Verräterischer, nichtswürdiger Geist
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1. Dunkel, still vor Ewigkeit
2. Ragnarok Mystiker
3. Gespinnst des Verderbens
4. Trauerhöhle
5. Verflucht das Blenden der Erscheinung
6. Der Verächter
7. In den weiten öden Räumen

Release: 2005
WERTUNG
4.5 /6 Sternen
Stil: Black Metal
Laufzeit: 52.27 min
Format: CD Audio
Label: GoatowaRex Records Kommentar / Userwertung eintragen

 

Das man mit einfachsten Mitteln, Riffs und Ideen verdammt gute Musik machen kann, ist im Metal-Genre durchaus nicht unbekannt. Nehmen wir da mal die Gesellen Venom, die mit 3-Ton-Riffs und einem Evil-Image zu einer legendären Bekanntheit geworden sind. Zwar gehen Urfaust musikalisch in eine andere Richtung, doch schaffen auch sie es mit einfachen Mitteln ein packendes Black Metal Album zu schaffen. Die "einfachen Mittel" sind in diesem Fall die Instrumentalisierung. Bewaffnet mit Drums, Gesang, Bass und Gitarre (also sehr klassisch) gelingt es dem Combo von Urfaust ein tiefschwarzes, beinahe schon psychodelisches Meisterwerk zu schaffen.

Pardon. Muss ich mich doch berichtigen. Es ist nicht nur ein Duo, dass da musiziert, sondern ein Trio. Der dritte im Bunde ist ein gewisser "Dolen" der mit Orchester arbeitet und zwischen den reinen Black Metal Songs des Albums Ambientstücke dazwischenkomponiert, die gelungene Abwechslung präsentieren. Das erste Stück ist beispielsweise ein genau solches Werk und zeigt in welche Richtung es mit dem Orchester geht. Ungewöhnliche, düstere und schaudernde Atmosphäre macht sich breit und Kälte empfängt einen bereits ab dem ersten Ton. Meisterhaft!
Die Kälte hält sich auch bei jedem der Metal-Stücke auf dem Album festgekrallt. Faszinierend heroisch bietet den Einstieg in diese Stücke "Ragnarok Mystiker". Unverhofft kommt oft und so vernimmt man nach den ersten Gitarrenriffstrukturen kein Gekreisch, sondern verdammt guten cleanen Gesang, der sich ins Ohr bohrt und von dort aus direkt ins Hirn weiterfrisst. Das alles wird unterlegt von einem Riff, das konstant in einer wankenden Bewegung aus heroisch und kalt wankt und auch mal wechselt um in Graveland-ähnliche Adern zu schlüpfen. Das alles kommt schön langsam vom Schlagwerker begleitet daher, was die ohnehin düstere Stimmung noch mehr vertieft. Doch wird man auch vom anderen Gesang nicht verschont. Ein sehr hohes, bohrendes Kreischen bildet den Kontrast zum clean Gesang, der zwar nicht so prall klingt, was ich jedoch auf die organische Produktion schiebe.
Wo wir schon bei der Produktion sind, kann ich ja mal drauf verweisen, dass Sound- und Technikfetischisten lieber zu was anderem greifen sollten als Urfaust. Zwar ist jedes Instrument klar vom Anderen trennbar, doch fällt die Produktion so aus, wie man es beim Black Metal Underground vermuten würde / gern hat. Einzig die orchestralen Stücke kommen deutlich besser produziert rüber und blasten soundlich gerne mal Bäume um. Wieder ein Kontrast ähnlich wie beim Gesang auf dem Album.
Generell kann man sagen, dass das Album keinen Partysong enthält, sondern weitestgehend langsam, aber dafür stimmungsvoll ankommt. Die einzige Möglichkeit des Banges bietet das Ende von "Gespinnst des Verderbens", welches jedoch nicht mal 20 Sekunden lang ist.

Fazit: Ein ziemlich düsterer Brocken Underground, für den sich nur wenige begeistern werden können. Fans von Xasthur, Forgotten Tomb oder Mord haben sicherlich ihren Spaß mit der Musik, dem Rest rate ich das Album eher ab.


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