Datum : 23.01.2018
Uhrzeit: : 13:13 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Type O Negative - Dead Again
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Homepage : www.typeonegative.net
 

Type O Negative - Dead Again
  »Trackliste
01. Dead Again
02. Tripping a Blind Man
03. The Profit of Doom
04. September Sun
05. Halloween in Heaven
06. These Three Things
07. She Burned Me Down
08. Some Stupid Tomorrow
09. Am Ode to Locksmiths
10. Hail and Farewell to Britain

Release: 2007
WERTUNG
4 /6 Sternen
Stil: Gothic Metal
Laufzeit: 77.30 min
Format: CD Audio
Label: SPV Kommentar / Userwertung eintragen

 

Irgendwie scheint im Metal eine Welle der Religiosität zu Entstehen. Da wird im Hause Slayer mal behauptet man sei wiedergeborener Christ. Deicide schließen sich aus Prinzip einfach mal an und Type O ... naja, nach 4 Jahren Pause erwartet man recht viel aber nicht, dass das neuste Werk der Düsterrocker aus Brooklyn so pro-christlich ausfällt und Peter Steele sich im Römisch-katholischen wiedergefunden hat. Vielleicht erklärt das, warum auf dem Cover der russische Mönch Gregori Rasputin abgebildet ist und alles sehr kyrillisch anmutet. Haben TON nun einen kompletten Imagewechsel durchzogen und sind christliche Kommunisten geworden? Wer weiß!

Das mit dem Kommunisten liegt nicht einmal so fern, wenn man sich die ersten beiden Songs „Dead Again“ und „Tripping a blind Man“ anhört. Ersteres klingt nach anfänglich stark Doom-geprägter Passage nach 1A UK-Punk/Hardcore. Nun mag sich der erfahrene TON-Fan denken, es mute an Zeiten von „Slow, deep and hard“ oder „The Origin of Feces“ an, jedoch liegt man damit recht weit vom neuen Stil entfernt. Sehr fröhlich, ein bisschen wie der Chartknülller „I don’t wanna be me“ mit weniger Keyboard. Nicht schlecht eigentlich, aber nichts Besonderes. Da gefällt mir „Tripping a blind man“ doch schon besser, denn der Track vermischt viele gern gehörte Elemente Types. Hymnische Keyboards am Anfang, der neue punkige Stil und ein sehr geiles Black Sabbath-like Riff, das Minutenlang vor sich hingroovt.
Den Höhepunkt der Scheibe bietet wohl „Profit of Doom“. Ein sehr traditioneller TON Track der konstant eine Gradwanderung zwischen Melodie und Disharmonie wagt, die er auch gut umsetzen kann. Gegen Mitte des Songs wird der Hörer noch mal mit einem Riff umgehauen, das nicht nur verführt auf Tischen zu tanzen, sondern nur so gemacht ist um dazu mitzugröhlen. Hier beginnt auch Pete das erste mal wieder im typisch tiefem Stil zu Singen und nicht wie bei den Songs zuvor zu gröhlen. Jedoch merkt man deutlich, dass der Playgirlstar alt geworden ist. So reicht er nämlich gerne mal das Mikro an seine Kumpanen Kenny, John und Josh weiter. So bildet sich ein ziemlicher Kontrast zu den sonst so Steele-dominanten Gesangsparts auf vorherigen Alben. Leider fängt man dadurch auch an, Peters tiefes „ohh“, „wuh“ oder „hmmm“ zu vermissen.
Wenn man mal weiterlauscht stößt man auf einen Track der glatt von der „October Rust“ hätte stammen können. Eine poppige Klaviermelodie, die sich langsam atmosphärisch ändert und vom recht fröhlichen Anfang immer melancholischer wird. Sehr cooler bunter Track, der wieder etwas keyboarddominanter ist, dafür aber ebenso viele Gitarrensoli bietet.
Um dann aus dem Schlaf gepuncht zu werden kommt der Partytrack „Halloween in Heaven“, der dem ermordeten Pantera-Gitarristen Dimebg Darrell gewidmet ist und auf dem Tara VanFlower von Lycia einen Gastauftritt hat. Ein schneller Hardcoretrack, der dann schon eher nach Types Anfängen klingt und sich dafür auch gar nicht zu schämen braucht.
Endlich kommen wir zu einem meiner Favoriten auf dem Album. „These Three Things“ bietet wieder die breite Masse Type O Negative wie wir sie von „World Coming Down“ kennen. Dicke-Hoden-Leadgitarren und melodisch melancholische Tieftonriffs, die unangekündigt beendet werden, um wieder Doom Metal erklingen zu lassen, bei dem das Schlagzeug so langsam ist, dass man zwischen zwei Snare-Schlägen getrost in die Küche gehen und sich ein kaltes Getränk aus dem Kühlschrank holen kann. Zwischendurch klingt es hin und wieder mal nach Tool, was jedoch mit einem rockigen Solo nach dem Anderen entschädigt wird. Ein langer, komplexer Song, der jedem Geschmack etwas bietet.
Wo wir beim Thema Rock sind .. auch „She Burned me down“ bietet klassisches Black Sabbath Feeling, zu dem man am besten auf einem Motorrad gen Horizont fahren sollte. Hier verfällt Steele wunderbarerweise auch mal wieder dem alten Gesangsstil und immer wieder ein stones Solo nach dem anderen. Zwar wirkt das alles ein bisschen befremdlich auf den alteingesessenen TON-Fan doch lässt man sich drauf ein, findet man durchaus gefallen daran.
Wie schon öfter versucht Pete hier auf „Dead Again“ immer wieder alte Carnivore-Einflüsse durchsickern zu lassen, was ihm vor allem bei „Some Stupid Tomorrow“ besonders gut gelingen zu scheint. Da wird gegröhlt, was die Stimmenbänder hergeben und grundsätzlich versucht man auf einer härteren, schnelleren Schiene aufzufahren.
Der flüssige Übergang zu „An Ode To Locksmiths“ verwirrt ein bisschen, sodass der Eindruck entsteht, man habe es noch immer mit seinem Vorgänger zu tun. So übersieht man den Track auch gerne mal.
Mit dem letzten Titel „Hail and Farewell to Britain“ wird man noch mal mit einem Track feinster TON-Kunst überrollt. Da wird gedoomt auf melodischer Basis und alles erinnert an vergangene Alben. Ein gelungener Abschluss für das Album.

Fazit: Type O Negative haben sich verändert. Ein bisschen kommt in mir das Gefühl auf, sie haben versucht die guten alten Zeiten aufleben zu lassen und die Extrema der selbigen auszureizen. Also langsame Doom Metal Riffs und schnelles Hardcore Geballer. Was zu Stande gekommen ist, ist ein recht neuer, eigenartiger Stil, der freundlicher und weniger düster wirkt als vorrangegangene Alben. Trotzdem stößt man auf keine komplette Umveränderung und viele Dinge bleiben sehr typ(e)isch. Plötzliche Übergänge, die Mischung aus schnell und langsam und der eigensinnige Humor der „4Dicks“. Nettes Album, aber nach 4 Jahren Sendepause hatte ich doch noch mehr erwartet.


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