Datum : 19.01.2018
Uhrzeit: : 16:49 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Amesoeurs - Ruines Humaines
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Homepage : www.amesoeurs-music.com
 

Amesoeurs - Ruines Humaines
  »Trackliste
1. Bonheur Amputé
2. Ruines Humaines
3. Faiblesse des Sens

Release: 2005
WERTUNG
5 /6 Sternen
Stil: Black Metal
Laufzeit: 16.03 min
Format: CD Audio
Label: Northern Silence Productions Kommentar / Userwertung eintragen

 

Frankreich kann man nicht wirklich als Heavy Metal Großmacht bezeichnen. Warum? Ok, Leser, schließt die Augen und denkt an eine BEKANNTE französische Metal Band. Mir fällt so schnell nichts ein, euch etwa? Zwar hat das Land der Baguettes und beklopptesten Modekreationen überhaupt eine Fülle an Bands, doch versinkt es im Gegensatz zu Deutschland in einen verschwindend geringen Bereich, was die Bekanntheit angeht. Höchstens der Black Metal Underground bietet ein paar szenebekannte Bands wie Deathspell Omega, Mütiilation oder Ad Hominem an, doch mehr ist da nicht. Umso erstaunlicher muss es euch Lesern hier erscheinen eine gute Wertung für eine französische Band zu sehen, die bis heute auch nur eine MCD veröffentlicht hat. Ich erklär euch mal warum ...

Das äußere Design des Scheibchens könnte von irgendeiner komischen Pop-Ikone sein. Ein in Grau gehaltenes Cover von vorbeigehenden Personen auf einer Treppe. Nicht sehr überzeugend und sicherlich abschreckend für den üblichen Black Metal Fan, ebenso wie das recht seltsame Logo, dass man sogar lesen kann (!!!). Doch lässt man sich nicht abschrecken sondern wirft seine Aufmerksamkeit auf die dargebotene Musik muss man sagen, dass so manch einem wohl die Kinnlade runterfallen wird.
Genremixes gibt es in Hülle und Fülle: Death / Black Metal, Thrash / Black Metal, Viking Black Metal, Blackended Gothic Metal, usw. …
Was aufgefallen? Genau! Überall ist „Black Metal“ drin! Auch hier bei Amesoeurs ist Black Metal drin, der auch mit was Anderem gemischt ist. Es sträubt sich mir ein wenig es auszusprechen, doch neben handelsüblichem Geschredder stößt hier ein Genre welches man mit „Brit-Pop“ bezeichnen könnte bzw. bezeichnet auf das unerfahrene Gehör des Hörers. Nicht nur das dies erstaunlich genug ist, erstaunt die Umsetzung des Ganzen umso mehr, so muss man feststellen, das diese recht gut gelungen ist. Ja, Leser, ich kann förmlich hören wie eure Kinnläden sich dem Erdboden genähert haben, doch das, was hier von mir beschrieben wird, ist astreiner melodischer Black Metal und so ziemlich das Beste, was ich seit langer Zeit aus dem Bereich gehört habe.
„Bonheur Amputé“ bietet einen sehr straighten Einstieg in die Welt des Duos „Amesoeurs“. So wird hier mit einem sehr rockigem Drumming und melodischem Geschrammel der Extraklasse das erste Rendezvous zwischen Hörer und Musik geschaffen, welches von klagendem, hohen Kreischen begleitet wird. Eine etwas sonderbare, sehr angenehme, entspannte Atmosphäre macht sich breit, bei der man sich gar vollends auf die Musik konzentrieren kann. Es wird immer wieder melodiöse Abwechslung geschaffen, damit der Hörende nie dazu verleitet wird, auch nur ein Sekündlein wegzuhören. Besonders auffallend ist ein kurzes instrumentales Zwischenspiel, welches noch mal richtig aufhorchen lässt und durch seine Banalität und Einfachheit zu überzeugen weiß.
Man löst sich ungern schon vom ersten Song, zumal sich ein geistiger Zustand ähnlich dem eines Heroinrausches beim Hören des Liedes breit macht. Doch schafft man es doch mal das „Repeat“ auszustellen, wird man mit einem weiteren Hammersong belohnt, der dem ersten der MCD in Nichts nachsteht. Der Einstieg hier wird nicht ganz so plötzlich gewählt und man wird durch ein entspanntes, halbakustisches Geplänkel geschickt, um dann die volle Wucht melodischen Black Metal direkt in die Fresse zu bekommen, welcher immer wieder von akustischen Zwischenteilen durchbrochen wird, um Sekunden des Luftholens zu bieten. Nicht, das es einfach nur so schon melodiös genug ist, wird man von heulenden Lead-Gitarren und sogar vereinzelten Bass Melodien überrascht. Gegen Ende des Songs wird es immer Black Metal typischer und „grimmiger“, um dann von einem verwirrenden Endteil, den ich irgendwie mit japanischen Trommel-Ensembles assoziiere, beendet zu werden.
„Faiblesse des Sense“ ist wohl das ungewöhnlichste Stück auf der Veröffentlichung. Zum ersten mal hört man die Stimme Audreys, die begleitet von akustischen Akkordläufen an einer Steigerung der Atmosphäre teilnimmt und sich perfekt in das Restkonzept des Albums eingliedert. So wird der Track immer intensiver, verzerrter und härter je mehr er sich voranwagt, um dabei parallel an Geschwindigkeit zuzunehmen. Auch gesanglich nimmt die Lautstärke zu und so wird gegen Ende und damit auch dem Höhepunkt des Liedes ein langes „Je m’écoeure“ zu einem verzweifelten Kreischen, welches sich untermalt von Melodien durchfluteter Musik ins Gedächtnis brennt. Ein herrliches Ende für ein herrliches Stück Musik.

Fazit: Am liebsten würde ich 6 Sterne geben, doch stören mich 2 Dinge an der Veröffentlichung: Es ist nur eine MCD, für die trotzdem 8 Euro zu blechen ist und für die man gerade Mal 3 Songs mit der Gesamtspielzeit von 16 Minuten bekommt. Geldabzocke ist es schon, aber muss man ebenso sagen, dass das Gebotene hier auch qualitativ hochwertig ist (auch was die Produktion des Scheibchens angeht). Zweiter Grund ist: Es kommt aus Frankreich. Franzosen sind doof... Nein, mal im ernst: Ich bin gespannt auf ein Album und werde mir wahrscheinlich vor Freude in die Hose scheißen, wenn es ebenso gut ist wie „Ruines Humaines“. Für jeden der durch mein Review auf den Geschmack gekommen ist, gibt es auf der Website der Band ein Soundbeispiel:
http://www.amesoeurs-music.com/ruines.html Viel Spaß!


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