Datum : 19.01.2018
Uhrzeit: : 16:49 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Decayed - Hexagram (Honor et Fidelitas)
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Decayed - Hexagram (Honor et Fidelitas)
  »Trackliste
1. Prologue
2. Moonrise
3. Demoniac Gahering
4. Ceremonial Cleansing
5. Ancient Rituals
6. The Invocation
7. Burnt Offerings
8. Feast of the Accursed
9. Into Realms Unseen
10. Departure
11. Epilogue
12. Destroyer (Bonus)
13. S.L.B. – Spikes, Leather and Bullets (Bonus)

Release: 2007
WERTUNG
5.5 /6 Sternen
Stil: Black Metal
Laufzeit: 45.11 min
Format: CD Audio
Label: Folter Records Kommentar / Userwertung eintragen

 

Euphorisch und grinsend schiebe ich „Hexagram“ in den CD-Player und habe dabei große glasige Augen. Das Case des Albums wird liebevoll zu den 9 anderen Decayed-CDs geschoben, die mittlerweile in meine Sammlung eingegangen sind. Zu ihnen gesellen sich 2 LPs, 3 EPs (unter anderem die erste Pressung der ersten EP-Veröffentlichung der Truppe), eine Live-MC, ein Patch, ein Sticker und ein Shirt. Alles in allem hab ich verflucht viel Geld für diese Sammlung investiert und höre jeden Fetzen der Musik mit Genuss. Ja, ich bin Decayed-Maniac! Und eigentlich hab ich auf den heutigen Tag gewartet, seitdem ich für Ruhrmetal schreibe. Endlich hab ich einen Grund ein Review zu meiner Lieblingsband zu schreiben. Freudenpipi in der Buxe, zitternde Finger und Geifer im Mundwinkel sind meine Begleiter bei dieser Rezension.

Die äußere Form ist klassisch für die Band: Das Logo, der Titel und der „Southern Circle“, schlicht und liebevoll gestaltet, ebenso wie das Booklet. Alle Texte drin, Bilder von der Band (unter anderem mit den Leuten von Desaster im Arm) und Grüße an irgendwelche Black-Thrasher aus aller Welt. Unter anderem auch viele Deutsche wie die oben genannten Desaster. Am Ende erlaubt sich die Band einen „Running Gag“ in Form irgendeines coolen Spruches der Satan, Metal oder Bier glorifiziert. Dieses Mal: ROCK’N’ROLL SACRIFICE YOUR SOUL! Wunderbar!
Zu meinem Erstaunen hat sich das Line-Up der Band fast komplett geändert. Ein komischer kurzhaariger Sänger wie ebenso kurzhaariger Schlagzeuger nehmen den Platz für die alten Bandmember ein. Einzig José Afonso (kurz JA) ist als Kopf, Gitarrist und Background-Sänger der Gruppe geblieben. Irgendwie passt es nicht so recht in das Bild der Band, doch ich lasse mich stur drauf ein (ein Spruch wie „ROCK’N’ROLL SACRIFICE YOUR SOUL“ kann nichts Schlechtes mit sich bringen!).
Eigentlich fängt jedes Album Decayeds immer gleich an: Mit einem düsteren Keyboard-Intro das zu einem Black/Thrash Knüller mündet und dann flüssig mit dem Ausschrei „INTO THE HEXAGRAM“ in den nächsten Song reingleitet. Minutenlanges Gedresche ohne große Ansprüche und ohne große Umschweife. Es wird auf die Kacke gehauen, so hart wie es geht und wer Melodie erwartet, wird als Poser von der Musik ausgelacht und zum Schämen in die Ecke gestellt. Das ist Black Metal, wie er im Ursprung war und ist: Hart und Düster.
Hin und wieder wird die Stimmung mit ganz leichten Orgel-Klängen untermalt, was auch schon bei vorherigen Veröffentlichungen Decayeds der Fall war. Diesmal lässt die Produktion jedoch zu, dass man es auch als Orgel erkennt und nicht nur schwachen Aldi-Kinder-Keyboard-Sound wahrnimmt. Generell ist diese sehr klar ausgefallen, was zu der sonst so schmutzigen, bösen Atmosphäre im Widerspruch steht. Doch erkennt man einfach an den typischen Decayed-Riffs, dass die Musik schlichtweg die ist, die sie immer war.
Decayed führen das weiter, was Hellhammer mit „Satanic Rites“ erreicht haben und mischen eine große Portion Venom, erste Bathory und Düsternis hinzu. Es ist stupide, es bleibt stupide und ist genau das, was es sein soll: Black Metal der alten, ursprünglichen Schule, bevor es Norwegen, äh Darkthrone, Immortal und Mayhem gab. Ordentlich viele Parts zum Bangen spiegeln deutlich die Roots des Thrash Metals wieder, die z.B. bei Songs wie „Ancient Rituals“ oder „The Inovaction“ zu spüren sind.
Gänsehaut wird in horrorfilmartigen Stimmungsparts produziert wie bei dem kleinen Zwischenspiel „Burnt Offerings“ oder dem Intro von „Demoniac Gathering“. Totaler Wahnsinn, in akustischer Weise dargestellt, zeugt von der Fähigkeit der Jungs, die mit ihrer Musik den gleichen Stil einschlagen wie die Australier von „Deströyer 666“. Mit denen standen sie übrigens schon gemeinsam auf der Bühne: Das Festung Open Air in Bitterfeld war für beide Bands ein Forum für ihre Musik. Aus diesem Grund grüßen Decayed auch „the people from Bitterfeld“.
Am scheinbaren Ende des Albums (Epilogue) wird man noch mal mit 2 Rock’n’Roll- Thrash Metal Hymnen beschenkt. Das mir bereits bekannte „Destroyer“, wozu es übrigens bei YouTube ein Video zu bestaunen gibt, haut alles und jeden aus den Socken und bringt auch den letzten zum Headbangen. Fette Mosh-Parts, zu denen man als wahrer Heavy Metal Maniac einfach nicht „nein“ sagen kann und will! Ebenso das letzte akustische Schlachtschiff, dessen Titel anscheinend von Desasters „Metalized Blood“ beeinflusst wurde. „Spikes, Leather and Bullets“ heißt das letzte Stück feinsten infernalischen Black Thrash Wahnsinns und tötet alles, was jetzt noch steht und lebt.

Fazit: „This Album is dedicated to Quorthon. May you rest in peace…” Diese Worte im Booklet sind ehrlich gemeint. Denn der alte Quorthon braucht nicht mehr aus dem Grab zu steigen, um ein Album wie „Bathory“, „The Return“ oder „Under the Sign of a Black Mark“ rauszubringen. Das machen Decayed ab jetzt für ihn und das wirklich nicht schlecht. Wer harte, brachiale Musik mit viel Blast und Rock’n’Roll mag, sollte bei Decayed reinhören. Wer’s nicht mag oder Decayed bis jetzt nicht mal kennt, sollte in die Ecke gehen, sich schämen, ´ne Runde weinen, zum Emo werden, tanzen („If you can dance to it, it ain’t Metal, it’s Shit!“ – Decayed) oder einfach sterben.


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