Datum : 23.01.2018
Uhrzeit: : 13:13 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Freedom Call - Dimensions
» Freedom Call - Dimensions
Homepage : www.freedom-call.net
 

Freedom Call - Dimensions
  »Trackliste
1. Demons Dance
2. Innocent World
3. United Alliance
4. Mr. Evil
5. Queen Of My World
6. Light Up The Sky
7. Words Of Endeavour
8. Blackened Sun
9. Dimensions
10. My Dying Paradise
11. Magic Moments
12. Far Away

Release: 2007
WERTUNG
1 /6 Sternen
Stil: Power Metal
Laufzeit: 49.22 min
Format: CD Audio
Label: Steamhammer Kommentar / Userwertung eintragen

 

Ich gebe es offen zu: Ich gehörte bis heute jener bescheidenen Minderheit an, welche sich mit dem „Kindergarten“-Metal der Fröhlichkeitsfanatiker von FREEDOM CALL voll und ganz arrangieren konnten. Die ersten drei Alben, auf denen mich besonders Bandleader und GAMMA RAY Schlagwerker Dan Zimmermann sowie Sänger und Gitarrist Chris Bay total überzeugten, waren zwar alles andere als Huldigungen an die Düsternis und den Hass, aber warum sollte man während eines Metalkonzerts nicht auch mal lächeln dürfen? Schon nach dem 2005’er Album „The Circle of Life“ schwante mir Böses. Der Sound wurde zusehends steriler, druckloser und wollte so gar nicht mehr zum freudestrahlenden Headbangen einladen. Gut, den einen oder anderen Ausrutscher verzeihe ich wirklich jeder Band, aber was die Jungs mit „Dimensions“ abgeliefert haben, stößt nicht nur an die Grenzen des guten Geschmacks, sondern auch an die Grenzen dessen, was unsereins gerne als „Metal“ bezeichnet.

Als immer noch sehr großer Fan dieser früher mal geilen Band habe ich mir die neue Scheibe gleich zur öffentlichen VÖ zugelegt und war eigentlich hoch motiviert, sogleich die passende Plattenkritik zu schreiben. Dass diese so lange auf sich warten ließ, liegt daran, dass ich es meinen Ohren und meinem Metallerherz einfach nicht zumuten konnte, auch nur mehr als zwei Songs dieses Albums am Stück zu hören, aber lest selbst:

Ein Intro namens „Demons Dance“ läutet den Untergang ein. Keyboardgedudel, welches wohl für so etwas wie „Atmosphäre“ sorgen soll und dazu ein Typ, der mit seinen gesprochenen Worten mein Gewissen ansprechen möchte. Danke, brauchen wir nicht. Der erste Track „Innocent World“ beginnt gar nicht mal undramatisch. Ein netter Speed Metal Song, bei dem jedoch nach wenigen Sekunden die drucklose Produktion auffällt. Der Knüppel trifft einen jedoch spätestens beim Refrain. Ich hab ja bei allen Göttern nix gegen hoch gesungene Chöre, aber diese sollten doch bitte von Männern stammen und nicht von hodenlosen Möchtegernen. Das Unheil nimmt in der folgenden dreiviertel Stunde immer mehr seinen unaufhaltsamen Lauf. Zwar können Nummern wie „United Alliance“, „Blackened Sun“ und „Magic Moments“ dank ihrer geringfügigen 80’er Rock-Attitüde noch ansatzweise überzeugen, die spürbare Lust- und Ideenlosigkeit verwehren jedoch auch bei diesen an sich guten Songs, dass echte Stimmung aufkommt. Das restliche Material dagegen ist schlicht als Super-Gau zu bezeichnen. Egal, ob man das HELLOWEEN’eske „Mr. Evil“, die unvermeidbare Akustikballade „Words of Endeavour“ oder Doublebass-Stücke wie „My dying Paradise“ heranzieht, allen haftet ein Makel an, der auch noch so hart gesottenen Power Metallern und Die hard Fans der Bands die Galle aufsteigen lässt. Die Melodien wirken, als hätte man sie alle schon mal hier und da gehört. Von Epik ist weit und breit keine Spur und auf die Suche nach Power muss man sich erst gar nicht begeben – sprich: keine Eier in der Hose.

Ein Wort noch zu den Texten: Sorry, aber wenn ich eine Scheibe in meinen CD-Player schiebe, dann will ich absolut nix darüber hören, ob die drohende Klimakatastrophe nun eintritt oder nicht und wie in beiden Fällen die Zukunft der Menschheit aussehen würde, sondern will etwas über mutige Krieger, nackte Tussis und fiese Monster hören (zumindest soweit es den FREEDOM CALL’schen Power Metal betrifft). Wenn ich mich über Kultur und Demographie informieren möchte, schau ich 3Sat.

Fazit:
FREEDOM CALL, das war wirklich einmal eine gute Band. Klar, der Happy Metal der Jungs war und ist nicht jedermanns Sache, aber wer die Typen mal live gesehen hat, weiß, dass sie sich stets den Arsch abgespielt haben, um ihren Anhängern eine geile Show zu bieten. Aller Einsatz wird ihnen jedoch, in Bezug auf ausnahmslos jeden Song dieses Albums, nichts nutzen, da wirklich jede Nummer sowohl kompositorisch als auch spiel- und produktionstechnisch einen Totalausfall darstellt.


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